Wien. Die Diskussion um die Einführung der elektronischen Gesundheitsakte Elga ist ein gesundheitspolitischer Dauerbrenner: Während Bund, Länder und Sozialversicherungen eisern hinter dem Projekt stehen, das ab 2015 die Gesundheits- und Medikamentendaten der Österreicher erfassen und für Ärzte, Spitäler und Patienten abrufbar machen soll, üben Datenschützer und Ärztekammer Kritik an einer zentralen Erfassung von Patientendaten.

"Die Online-Elga des Gesundheitsministers ist eine ,Vorratsdatenspeicherung‘ aller Gesundheitsdaten von Diagnosen, über Medikation, Befunde bis zu Krankenständen, die in letzter Konsequenz der Verwaltung von Kranken und der Bewirtschaftung von Krankheiten dienen sollen", warnt Christian Euler, Präsident des Österreichischen Hausärzteverbandes. "Dabei gibt es mit dem in Deutschland entwickelten maxiDoc längst eine sinnvollere Alternative."

Offline gegen Online

Der maxiDoc ist ein USB-Stick, dessen Kapazität ausreicht, alle wichtigen Gesundheitsdaten zu speichern, der aber im Besitz des Patienten verbleibt und von diesem mit einem Passwort geschützt wird. Eine spezielle Sicherheitssoftware verhindert Manipulation und Virenbefall. Da es keine Internet-Verbindung gibt, fällt die Gefahr durch Hacker weg. Die Speicherkapazität reicht für sämtliche Verschreibungen und Untersuchungsergebnisse, bis hin zu Röntgenbildern oder Tomografie-Befunden. Die Daten auf dem Stick können nur von jenen gelesen werden, denen der Patient sein Passwort gibt. Ausgenommen sind lebenswichtige Notfalldaten wie Blutgruppe, Allergien oder Unverträglichkeiten, die für Ersthelfer in 14 Sprachen zugänglich sind. "Damit eignet sich der Stick auch im Urlaub oder Auslandseinsatz und besonders für chronisch Kranke", betont Euler.

Entwickelt wurde der Stick von einem Team um den deutschen Allgemeinmediziner Franz Tenbrock. "Wir starten schon demnächst mit dem von der EU geförderten Projekt IuK Gender med.NRW", kündigt Tenbrock im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" an. "Voraussichtlich ab Juni werden 1500 Patienten mit einem Stick ausgerüstet." Derzeit wird der Einsatz von maxiDoc in einem vom deutschen Bundesland Nordrhein-Westfalen geförderten Forschungsprojekt in zwei deutschen Ärztenetzen getestet. "Das Erfahrungswissen ist inzwischen so groß, dass auch einem flächendeckenden Einsatz nichts mehr im Wege steht", so Tenbrock.

Pro und contra USB-Stick

Hubert A. Eisl, den technischen Geschäftsführer der Elga GmbH, deren Aufgabe die Implementierung der elektronischen Gesundheitsakte ist, überzeugt all das nicht. "Auch ohne eine genaue Produktevaluierung kann man sagen, dass USB-Sticks von ihrer Natur her äußerst unsicher sind", meint Eisl. Auch der Umstand, dass der Patient selbst der Datenträger ist, sei problematisch. "Wie kommt man zum Beispiel wieder zu seinen Daten, wenn man den USB-Stick verliert? Und auch das Passwort ist eine Schwachstelle, denn man muss es jedem seiner Ärzte sagen, und in der Folge wohl auch den Sprechstundenhilfen", glaubt Eisl. Auch das Argument, der maxiDoc garantiere den Patienten im Gegensatz zu Elga die Datenhoheit, lässt Eisl nicht gelten. "Auch bei Elga besteht die Datenhoheit, denn durch die Möglichkeit des ,opting out‘ kann jeder Patient entscheiden, ob er bei Elga mitmachen will oder nicht."

Für Euler kommt die Ablehnung gegenüber maxiDoc nicht überraschend. "Erst Anfang 2012 hat das Gesundheitsministerium Offline-Varianten als unbrauchbar dargestellt. Und das stimmt für die Ziele der Gesundheitsbürokratie, die den gläsernen Patienten schaffen will, ja auch."