Wien.

Hans Peter Haselsteiner: Erfolg liegt im Gleichgewicht.
Hans Peter Haselsteiner: Erfolg liegt im Gleichgewicht.
Der börsennotierte Baukonzern Strabag SE unter Hans Peter Haselsteiner hat seine Geschäfte trotz schwieriger konjunktureller Lage, Staatsschuldenkrise und Margendruck gut im Griff.

"Es ist uns gelungen, den Tausendfüßler Strabag am Leben zu erhalten, Umsatz und Ergebnis auszudehnen und die schwierige Situation in den neuen Märkten perfekt auszugleichen", sagte Haselsteiner am Freitag. Sein Motto: Erfolg liegt im Gleichgewicht. So konnte die Bauleistung um zwölf Prozent auf 14,326 Milliarden Euro gesteigert werden, davon entfallen 39 Prozent auf Deutschland und 14 Prozent auf Österreich. Auch das Konzernergebnis verbesserte sich auf zwölf Prozent auf 195 Millionen Euro, das Ergebnis pro Aktie stieg auf 1,75 Euro. Die höchsten Ebit-Margen erzielte die Strabag (78.866 Mitarbeiter) in Deutschland, Polen und Tschechien. "Wir betrachten dieses Ergebnis als außergewöhnlich", sagte der Konzernchef. Daher wird der Vorstand vorschlagen, die Dividende von 0,55 auf 0,60 Euro zu erhöhen.

Doch mit dem Aktienkurs hadert der Tiroler nach wie vor. Betrug der Ausgabekurs Ende 2007 47 Euro, so liegt er derzeit bei etwa 20,4 Euro pro Aktie.

"Der Kurs ist immer noch eine Schande", meint Haselsteiner. Fast 200 Millionen Euro hat die Strabag in die Hand genommen, um Aktien zurückzukaufen. Insgesamt 8,2 Prozent eigene Aktien hält der Konzern, es wird aber weiter zugekauft. Denn Haselsteiner will künftig bei Akquisitionen statt Cash Aktien einsetzen. Derzeit verfügt der Bauriese über 1,7 Milliarden Euro liquide Mittel und 268 Millionen Euro cash. Die Eigenkapitalquote liegt bei 30,3 Prozent. Erst bei 25 Prozent würde über neue Kapitalmaßnahmen nachgedacht, erläuterte der Bauunternehmer. Im Gegensatz zum Hoch- und Ingenieursbau, der vor allem in Deutschland gut läuft, klagt die Sparte Verkehrswegbau über Rückgänge. Zwar wurde die Leistung auf 6,7 Milliarden Euro deutlich gesteigert, aber das Ergebnis brach um 66 Prozent auf 61 Millionen Euro ein. Die Zukunft bringt keine Besserung. Daher setzt man auf Nischen wie den Gleis- und Eisenbahnbau und den Wasserbau.

Den Pessimismus der Branche, dass es weiter bergab geht, teilt Haselsteiner nicht. "Nicht einmal die schwierigen Märkte lassen Befürchtungen zu, wie sie offensichtlich die Branche sieht", sagte er. "Wir haben ein Preisniveau, das nicht mehr erklärbar und lustig ist." Um Aufträge werde gerittert, als wären sie die letzten, die vergeben werden.

Indes setzt er weiter auf Russland. "Ich bin ein Russland-Gläubiger, ich glaube an Russland und an die Bauindustrie in Russland", offenbarte Haselsteiner. Aber um in Russland nicht auf Sand zu bauen, will er mit dem Joint Venture "Russian Construction Holding" noch bis 2014 warten. Bis dahin soll die Strabag-Beteiligung Transtroj, die in die Holding eingebracht wird, "noch zwei verlässliche Bilanzen" legen. Trastroj gehört mehrheitlich zum Imperium des Strabag-Aktionärs Oleg Deripaska. Er hält derzeit etwas mehr als 17 Prozent an der Strabag und will bis Juni 2014 auf 25 Prozent aufstocken.