"Wiener Zeitung": Herr Generaldirektor, Sie übergeben am 1. Juni Ihrem Kronprinzen Peter Hagen das Zepter bei der Vienna Insurance Group (VIG), bleiben aber Vorstandschef des VIG-Hauptaktionärs "Wiener Städtischer Versicherungsverein" und behalten auch Ihre bisherigen Aufsichtsratsmandate bei VIG-Töchtern. Sie werden heuer 69. Warum sträuben Sie sich partout gegen die wohlverdiente Pension?

Günter Geyer (68) geht nach fast elf Jahren an der Vorstandsspitze der "Städtischen".
Günter Geyer (68) geht nach fast elf Jahren an der Vorstandsspitze der "Städtischen".

Günter Geyer: Unser Hauptaktionär ist sehr engagiert in der Unterstützung der VIG und ihrer Tochtergesellschaften bei kulturellen und sozialen Projekten. Hier will ich künftig stärker als bisher mitwirken, und ab Juni habe ich dann dafür mehr Zeit. Darauf freue ich mich. Für mich ist das die schöne Art, die Freizeit zu genießen. Außerdem: Wenn man bei der Wiener Städtischen oder der Donau-Versicherung Aufsichtsratschef ist, kann man die eine oder andere Erfahrung, die man im Berufsleben gemacht hat, weitergeben. Da geht es auch um das Einbringen strategischer Überlegungen, was mir grundsätzlich viel Freude macht.

Werden Sie Ihrem Nachfolger Ratschläge mit auf die Reise geben?

Das braucht er nicht. Peter Hagen ist ein hervorragender Manager, er kennt das Haus und den Konzern. Ich wüsste nicht, welche Ratschläge ich ihm geben sollte.

Wenn Sie Bilanz ziehen über Ihre fast elf Jahre als Generaldirektor: Worauf sind Sie besonders stolz?

Zuallererst auf das Team und die Mitarbeiter. Dann darauf, dass wir in Tschechien 1999 - zwei Jahre vor meiner Zeit als Generaldirektor - binnen zwei Monaten 1,1 Millionen neue Kunden akquiriert haben. Umgelegt auf normale Arbeitszeit haben wir damals alle sieben Sekunden einen Neukunden gewonnen. Ein Jahr später haben wir das in der Slowakei in ähnlicher Weise wiederholt. Stolz bin ich natürlich auch darauf, dass wir durch unsere Auslandsexpansion mittlerweile der führende Versicherer in Zentral- und Osteuropa sind. Das hätte ich mir vorher nie träumen lassen. Dass wir in Österreich 2005 zur Nummer eins aufgestiegen und 2008 mit der Erste Group eine Vertriebspartnerschaft eingegangen sind, zähle ich ebenfalls zu den Highlights meines Berufslebens.

Gibt es etwas, wo Sie im Rückblick Selbstkritik üben?