Wien. Das Europäische Patentamt (EPA) hat Josef Theurer (82) in der Kategorie "Lebenswerk" für den europäischen Erfinderpreis nominiert. Er ist der erste Österreicher, der in der siebenjährigen Geschichte dieses Preises zu diesen Ehren kommt.

Der Linzer Theurer, Gründer der Firma Plasser & Theurer, habe mit seinen Erfindungen "wesentlich zum Aufbau des europäischen Hochgeschwindigkeitszugnetzes beigetragen", heißt es in der Begründung zur Nominierung.

Theurer sei "nicht nur ein bemerkenswerter Unternehmer" sondern auch ein "Erfinder par excellence mit mehr als 600 Patenten im Gleisbau" würdigte ihn der Präsident des EPA, Benoit Battistelli. Insgesamt habe er in seinem Leben über 1050 Patente eingereicht "und gleichzeitig eines der erfolgreichsten internationalen Unternehmen Österreichs aufgebaut".

Nach der HTL war Josef Theurer in der Linzer Schiffswerft als Konstrukteur tätig, ehe er 1953 mit Franz Plasser das Unternehmen gründete, das heute noch zu 80 Prozent im Eigentum der Familie Theurer steht. Der Enkel des Erfinders und Sohn der Dressurreiterin Elisabeth Max-Theurer, Johannes Max-Theurer, ist mit 24 Jahren schon Mitglied der Geschäftsführung.

Plasser & Theurer ist heute Weltmarktführer für den Gleisbau von Eisenbahnstrecken und hat mehr als 3000 Mitarbeiter. Das ganze Unternehmen hat über 10.000 Patente angemeldet, von denen mehr als 2000 derzeit noch wirksam sind.

Das Patentamt vergibt jedes Jahr Erfinderpreise in den fünf Kategorien "Industrie", "Forschung", "Kleine und mittlere Unternehmen" ("KMU"), "Außereuropäische Staaten" sowie "Lebenswerk". Damit sollen "herausragende Erfinder für ihren Beitrag zum technologischen, sozialen und wirtschaftlichen Fortschritt" gewürdigt werden. In jeder Kategorie sind drei Personen für den Preis nominiert, der am 14. Juni in Kopenhagen vergeben wird.

Theurer sei die "Schlüsselfigur" hinter den Erfindungen des Unternehmens. Er habe unter anderem die erste hydraulische Gleisstopfmaschine der Welt, die erste Nivellierstopfmaschine, die erste Zweischwellenstopfmaschine, den ersten Schnellumbauzug in Fließbandtechnik, und im Jahr 2005 die erste kontinuierlich tätige Vierschwellenstopfmaschine mit integrierter, dynamischer Gleisstabilisation entwickelt.

"Dank seiner Innovationen konnte die mühsame Handarbeit im Bau und Erhalt von Eisenbahnlinien durch mechanisierte Methoden ersetzt werden. Dies wiederum führte zu einer erheblichen Steigerung der Produktivität. Die Präzision seiner Maschinen war maßgeblich entscheidend für den erfolgreichen Einsatz von Hochgeschwindigkeitszügen. Zahlreiche der Plasser & Theurer-Maschinen wurden beim Bau der Strecke eingesetzt, auf welcher der TGV den Geschwindigkeitsweltrekord von 547,8 km/h aufstellte", so das Patentamt.