Wien.  Seit Jahren kämpft die Branche der Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) um die Aufmerksamkeit der Politik – nun durfte man einen großen Erfolg verbuchen: Am ersten IKT-Konvent konnte man nicht nur erneut auf die Leistungen und zunehmende Bedeutung der Branche hinweisen, sondern sich auch hochrangiger Unterstützung erfreuen: Bundeskanzler Werner Faymann und Vizekanzler Michael Spindelegger stellten klar, welche Rolle die IKT ihrer Ansicht nach in Zukunft spielen soll. Und verdeutlichten, dass die Forderungen der Technologiewirtschaft in der Politik künftig auf mehr Gehör stoßen werden.

"Wer höhere Löhne, höheren Wohlstand und soziale Sicherheit will, muss auch Wettbewerbsfähigkeit wollen. Und da ist IKT ein entscheidender Baustein", gab sich Faymann überzeugt. Gerade hinsichtlich der Sparzwänge sei die entscheidende Frage, wo qualitatives und nachhaltiges Wachstum möglich ist. Österreich brauche daher ein "Wachstum, das speziell in Zukunftsbranchen stattfindet", meinte Spindelegger.

Überlegungen, die in der Branche auf Anklang stoßen. Denn mit einem Jahresumsatz von 23,75 Milliarden Euro tragen die rund 13.200 IKT-Unternehmen bereits 8,7 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) des Landes bei – "mehr als der Tourismus", wie Rudolf Kemler, Präsident der Plattform Internetoffensive Österreich, betont.

Ernüchternder internationaler Vergleich
Trotz ihrer dynamischen Entwicklung kommt Österreich als Technologiestandort allerdings im internationalen Vergleich nicht recht voran, was die Stagnation im jährlichen Network Readiness Index (NRI) des World Economic Forum belegt. Österreich rangiert in diesem Index, der 142 Länder hinsichtlich ihrer Bereitschaft zur Nutzung moderner Informations-technologien erfasst, auf Platz 19, konnte hier aber seit Jahren kaum Boden gutmachen.

Ein Umstand, den die heimische IKT nun mit Unterstützung der Politik ändern will. "Wir müssen Österreich auf die Überholspur bringen", stellt Kemler unumwunden fest. Das Ziel lautet "Top-5" – eine Tabellenregion, in der derzeit die nordischen Staaten, Singapur und die Schweiz angesiedelt sind.

Erreicht werden soll dieses ambitionierte Ziel mit der Umsetzung eines vielfältigen Aktionsplans: So legte die Internetoffensive Prioritätenkataloge vor, die unter Einbindung von Unternehmen, Interessensverbänden, Wissenschaft und nicht zuletzt Verwaltungsstellen und Politik entstanden. Die Kernziele dieses Aktionsplans zielen dabei sowohl auf Maßnahmen wie Investitionsanreize oder den Ausbau der Breitbandnetze als auch auf die elektronische Verwaltung und gerade die Bildung ab. Hier sollen konkrete Maßnahmen wie der Aufbau zentraler Lern- und Lehrportale Abhilfe schaffen.

"Nummer 19 ist noch nicht das Ende der Fahnenstange", gibt sich Spindelegger zuversichtlich. Aber auch wenn die Maßnahmen bald zu greifen beginnen sollten, bleibt doch viel zu tun, wie Faymann sagt: "Denn", so der Kanzler, "wir stehen erst am Anfang." n