Wien. (sf) Trotz schlechter Prognosen entwickelt sich das erste Halbjahr 2012 für die Arbeitskräfteüberlasser weit weniger dramatisch als befürchtet. "Sowohl bei Angestellten als auch bei Arbeitern steigt die Zahl der Zeitarbeiter. Die Auftragsbücher sind voll. Im Sommer sind vor allem am Bau Leiharbeiter gefragt", sagt Erich Glaser, Vorsitzender der Berufsgruppe der Personaldienstleister in der Wirtschaftskammer Wien.

Der Aufwärtstrend bei der Zahl der Leiharbeiter werde sich auch im zweiten Halbjahr fortsetzen, erwartet Gerhard Flenreiss, Bundesobmann der Personaldienstleister in der Wirtschaftskammer -sterreich. Nach der letzten Erhebung im August 2011 gab es in -sterreich 74.783 Leiharbeiter, und auch heuer rechnet Flenreiss mit rund 75.000 Zeitarbeitern.

Jeder vierte bis fünfte beim AMS gemeldete Arbeitssuchende wird von einem Arbeitskräfteüberlasser an andere Unternehmen weitervermittelt. 78 Prozent der Zeitarbeiter waren vorher arbeitslos. Nach wie vor ist die Zeitarbeitsbranche männerdominiert: Drei Viertel der Leiharbeiter sind Männer. Etwa 40 Prozent der Zeitarbeiter sind in Produktionsbetrieben als Hilfsarbeiter beschäftigt. Weitere 40 Prozent sind Techniker, Ingenieure oder andere Höherqualifizierte. Der Anteil von Angestellten wächst und liegt derzeit bei 15 bis 20 Prozent.

Kampagne soll Ruf verbessern


Wegkommen wollen die österreichweit rund 680 Arbeitskräfteüberlasser vom Vorwurf der "Hire and fire"-Branche, in der Mitarbeiter nach kurzer Zeit gekündigt werden. Eine Werbekampagne mit dem Slogan "Zeitarbeit verdient Anerkennung" soll das Image der Zeitarbeiter verbessern. "Leiharbeiter verdienen in vielen Fällen nicht schlechter als das Stammpersonal, teilweise auch besser", sagt Glaser.

Kritik üben die Wirtschaftskammer-Vertreter an der im Sparpaket beschlossenen Auflösungsabgabe von 110 Euro, die auch gezahlt werden muss, wenn ein Zeitarbeiter in die Stammbelegschaft übernommen wird. Das Geld wird zur Hälfte für Eingliederungsbeihilfen verwendet, die ein Unternehmen für die Anstellung von arbeitsmarktfernen Personen bekommt. Diese Lohnsubvention für vier bis sechs Wochen erhielten Zeitarbeitsfirmen aber in vielen Bundesländern nicht.