Wien. (apa/kle) "Sozialpartner an den Tisch", fordern ÖGB-Präsident Erich Foglar und Arbeiterkammer-Präsident Herbert Tumpel mit Blick auf die Krisenbewältigung in Europa. Sie wollen das Modell der österreichischen Sozialpartnerschaft auch auf europäischer Ebene umgesetzt wissen. Ohne den von den Gewerkschaften vorgeschlagenen Sozialvertrag für Europa werde es nicht möglich sein, die Krise zu lösen.

Foglar fordert eine Umkehr in der europäischen Krisenpolitik: "Wir brauchen ein Europa, wo Wachstum und Beschäftigung wieder im Vordergrund stehen." Das österreichische Modell der Sozialpartnerschaft habe sich in den vergangenen 40 Jahren sehr gut bewährt und wäre ein Modell für ganz Europa - zumindest die 17 Euroländer sollten eine koordinierte Wirtschaftspolitik haben.

"Wir stehen in Europa vor einer entscheidenden Weichenstellung", sagt Foglar mit Blick auf den bevorstehenden Ecofin Ende Juni. Ohne Wachstum und Beschäftigung werde Europa die Schuldenkrise nicht lösen können, ohne Sozialdialog könnten die Kernelemente einer Fiskalunion nicht funktionieren. Bisher sei im Zuge der Krisenbewältigung "alles für die Banken und gegen die Menschen getan" worden, kritisiert der ÖGB-Chef. Die Gewerkschaften wollen jetzt eine andere europäische Politik.

Auch AK-Chef Tumpel pocht auf alternative Lösungsansätze: So müsste etwa die Regulierung des Banken- und Hedgefondssektors rasch umgesetzt werden, zudem müsste der Kampf gegen Steuerhinterziehung, Steuerbetrug und Kapitalflucht forciert werden. Tumpel: "Steueroasen zu tolerieren ist indiskutabel."