Wien. (apa/kle) Obwohl die globale Wirtschaft 2011 nur mäßig gewachsen ist, haben Österreichs Exporte gegenüber dem Jahr davor um 11,7 Prozent zugelegt und mit 122,2 Milliarden Euro einen neuen Rekordwert erreicht. Als wichtigsten Grund nannten Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner und Wirtschaftskammerchef Christoph Leitl am Donnerstag in einer Pressekonferenz gezielte strukturelle Veränderungen bei den Exportzielen und Produkten. Allgemein sinke die Bedeutung Europas, nicht aber die Deutschlands, während die Ausfuhren nach Asien beziehungsweise in die Schwellenländer Brasilien, Indien, China einen höheren Anteil von Österreichs Exporten ausmachten.

Die Bedeutung Deutschlands ist zuletzt gestiegen. Im vergangenen Jahr gingen 31,1 Prozent der Exporte dorthin - nicht zuletzt dank der Zulieferindustrie. 2008 waren es 29,8 Prozent. Beim EU-Beitritt 1995 waren es allerdings noch 38,4 Prozent gewesen. Die fünf Staaten Deutschland, Italien, USA, Schweiz und Frankreich nehmen zusammen weiterhin die Hälfte der österreichischen Ausfuhren auf.

Bereits 42.000 Exportfirmen


Parallel dazu verschiebt sich die Struktur der Exporte: Dienstleistungen, vor allem wissensorientierte Dienstleistungen, nehmen stärker zu als Warenexporte, so Mitterlehner. 30 Prozent der Exporte "fußen auf Kreativität", sagte Leitl, dazu gehöre es auch, Designermöbel statt Schnittholz zu exportieren. Außerdem engagieren sich immer mehr Klein- und Mittelbetriebe im Export. 75 Prozent der von der Außenhandelsorganisation der Wirtschaftskammer begleiteten Firmen haben weniger als 50 Mitarbeiter, ein Drittel sogar nur bis zu fünf Mitarbeiter.

Mittlerweile exportieren 42.000 österreichische Firmen, vor zehn Jahren waren es erst 15.000. "Wir stoßen auf keine Grenzen des Wachstums", so Leitl. Man müsse nur in die Entwicklungsländer schauen, um zu sehen, dass es qualitativ und quantitativ weiteren Wachstumsbedarf gebe.

Stolz ist Leitl auch auf die Bilanz in den mittel- und osteuropäischen Staaten. In dieser Region "haben wir den Wettbewerb für uns entschieden" und Chancen genutzt, "auch wenn es manchen nicht gefällt". "Wenn Amerika etwas versäumt hat, dann sind sie selbst schuld", meinte Leitl in Richtung US-Warnungen, das starke Engagement österreichischer Unternehmen in der Region stelle ein besonderes Risiko dar.

35-Millionen-Euro-Programm


Ein Teil des Erfolgskonzepts ist laut Mitterlehner das Förderprogramm "Go International", in dessen Rahmen das Wirtschaftsministerium für den Zeitraum von April 2011 bis März 2013 insgesamt 35 Millionen Euro für die Exportförderung bereitstellt. "Ich gehe davon aus, dass wir das Programm fortsetzen", so Mitterlehner am Donnerstag.

Das überdurchschnittliche Exportvolumen Österreichs sieht der Minister als "Erfolgsgeschichte". Internationale Kritik an gesamtwirtschaftlichen Ungleichgewichten durch Exportüberschüsse bezieht er vor allem auf Deutschland, wo es inzwischen eine Diskussion gibt, ob durch stärkere Lohnsteigerungen der Binnenkonsum angekurbelt werden soll.