Wien. (kmö) Nachdem das brisante Gutachten des Sachverständigen Matthias Kopetzky über die mutmaßlichen Geldflüsse rund um die Aktien-Kursmanipulation bei der Telekom-Austria im Jahr 2004 vorliegt (die "Wiener Zeitung" berichtete exklusiv) steht nun der Anklage (Akt 614 St 3/10m) nichts mehr im Weg. Dem Vernehmen nach soll der Vorhabensbericht zur Anklage von Staatsanwalt Hannes Wandl in Kürze über die Oberstaatsanwaltschaft ins Justizministerium wandern. Von den im Gutachten angeführten sechs Verdächtigen dürften zwei nicht angeklagt werden: Ex-Telekom-Vorstand Gernot Schieszler, dem der Status eines Kronzeugen zuerkannt wurde, weil er bei der Staatsanwaltschaft auspackte. Und das Ermittlungsverfahren gegen Ex-Telekom-Manager Wolfgang F., der nicht nur bei einer Bargeldübergabe an Euro-Invest-Bank-Chef Johann Wanovits "als Schieszlers Fahrer" fungiert haben soll, wurde dem Vernehmen nach abgebrochen. Wolfgang F. soll laut Gutachten seit einem Herzinfarkt "nicht mehr vernehmungsfähig sein". Laut Aktenlage soll F. unter anderem am Zustandekommen des Werkvertrags über eine fingierte Südosteuropa-Telekom-Studie für Peter Hocheggers Valora Unternehmensberatung mitgewirkt und das Abnahmeprotokoll bzw. die Leistungsbilanz mit Schieszler unterfertigt haben. Ob die früheren Telekom-Vorstände Stefan Colombo, Heinz Sundt und Boris Nemsic, die im Verfahren als Beschuldigte geführt werden, auch zum Kreis der Angeklagten gehören werden, wollte man in Justizkreisen nicht kommentieren. Indes dürften Ex-Mitarbeiter der Euro Invest Bank, die die dubiosen Aktienkäufe über Auftrag abwickelten, einer Anklage entgehen. Die Verdächtigen bestreiten wie berichtet die Untreue-Vorwürfe.