Wien. Ein Jahr Rot-Weiß-Rot-Card - Zeit, eine erste Bilanz zu ziehen. Bis 1. Juli versuchten 1.921 Zuwanderer, über diesen Weg eine Aufenthaltsmöglichkeit in Österreich zu ergattern. 1.522 der Ansuchen wurden mit Stand 27. Juni positiv erledigt, geht aus Zahlen des Sozialministeriums hervor. Ganz unbestritten ist die seit einem Jahr gültige Regelung freilich nicht. Der Prozess sei zu bürokratisch und zu langwierig, ist immer wieder aus der Wirtschaft zu hören.

Die Rot-Weiß-Rot-Card ermöglicht Hochqualifizierten und Schlüsselkräften seit dem 1. Juli 2011, in Österreich einen Arbeitsplatz anzutreten, wenn sie genügend Punkte in einem extra ausgetüftelten Kriterienkatalog erreichen, der unter anderem berufliche Ausbildung, Sprachkenntnisse und Alter der Bewerber berücksichtigt.

Gefragte Schlüsselkräfte
Die mit Abstand interessierteste Gruppe waren sogenannte Schlüsselkräfte. Mehr als 1.100 Anträge in diesem Bereich wurden positiv erledigt. Als "besonders qualifiziert" am österreichischen Arbeitsmarkt aufgenommen wurden nur gut 100 Personen.

Was die Berufe angeht, stehen Direktoren und Geschäftsführer (397) an der Spitze, gefolgt von Technikern und Software-Entwicklern (221). Platz drei nehmen die Spitzensportler ein (116). Top-Nation ist Russland mit 164 Rot-Weiß-Rot-Card-Neulingen, gefolgt von Bosnien-Herzegovina (158) und den USA (150).

Die Kritik an der Regelung dürfte indes nicht so bald verstummen. Immer wieder wird von Unternehmen Dauer und Aufwand des Beantragungsprozesses beanstandet, vielfach lässt der damit verbundene "Papierkrieg" Betriebe davor zurückschrecken, die Rot-Weiß-Rot-Card zu beantragen.

Immerhin wird für das kommende Jahr ein deutlicher Anstieg bei den Bewilligungen erwartet, da ab nun auch Personen in so genannten Mangelberufen (etwa Tischler, Schweißer oder Diplom-Krankenpfleger) eine Karte erlangen können.