Wien. Die Wirtschaftskrise setzt den österreichischen Banken hart zu: Von 2008 bis 2011 hat sich das Volumen der sogenannten notleidenden Kredite ("Non-Performing-Loans", NPL) auf 18 Mrd. Euro verdoppelt. Im Vorjahr stiegen die faulen Kredite um 6 Prozent im Jahresabstand. Damit liegen die österreichischen Geldinstitute durchaus im europäischen Trend - im Vorjahr erreichten die Problemkredite europaweit 1,05 Billionen Euro, 2008 waren es noch 0,5 Billionen, geht aus einer PwC-Studie hervor.

  Während auf fünf EU-Länder - Deutschland (196 Mrd. Euro), Großbritannien (172 Mrd. Euro), Spanien (136 Mrd. Euro), Irland (119 Mrd. Euro) und Italien (107 Mrd. Euro) - fast 70 Prozent der Problem-Darlehen entfallen, sind die osteuropäischen Länder deutlich geringer belastet: So legten in Russland die faulen Kredite zwar von 1 Mrd. Euro im Jahr 2008 auf 26 Mrd. Euro im Vorjahr zu, allerdings war der Anstieg im Vergleich zu 2010 deutlich langsamer (+1 Mrd. Euro).

Polens Geldhäuser vorbildlich
  Die polnischen Banken dagegen hielten die notleidenden Kredit im Ausmaß von 15 Mrd. Euro im Vorjahr in Schach, sodass kein Anstieg verzeichnet wurde - gegenüber 2008 legten sie aber um 6 Mrd. Euro zu. Auch das krisengeschüttelte Ungarn überraschte mit einer relativ geringen Höhe der faulen Kredite im Vorjahr mit 7 Mrd. Euro (2010: 5 Mrd. Euro), 2008 waren es noch 2 Mrd. Euro. Rumänien und Tschechien lagen 2011 mit je 6 Mrd. Euro und einem Zuwachs von 1 Mrd. Euro gleichauf. Einen Rückgang bei den notleidenden Kredite gab es hingegen in der Türkei, wo sie von 10 Mrd. Euro (2010) auf 8 Mrd. Euro im Vorjahr zurückgingen. Damit lag das Land am Bosporus 2011 mit 1 Mrd. Euro über dem Stand von 2008.

   Rechnet man die Kredite dazu, die Banken nicht mehr zum Kerngeschäft zählen, dann betragen die Problemportfolios der europäischen Finanzinstitute sogar 2,5 Billionen Euro, streicht die Studie hervor. Nach Einschätzung der PwC-Experten steht man bei der Restrukturierung der schlechten Kreditportfolios allerdings erst am Anfang: Im ersten Halbjahr 2012 trennten sich die europäischen Banken von 27 Mrd. Euro von sogenannten "Non-Core-Assets", also von notleidenden Krediten und Randaktivitäten, was aber PwC als einen "Tropfen auf dem heißen Stein" bezeichnet. Die Banken würden es kaum schaffen, ihre Problem-Portfolios anderen Investoren zu verkaufen.

  Zu derartigen Transaktionen zählt PwC etwa den Verkauf der ÖVAG-Ostholding Volksbank International (VBI) im Vorjahr an die russische Großbank Sberbank um 505 Mio. Euro, der heuer abgeschlossen wurde.

  Bis zum Jahresende 2012 schätzt PwC das weitere Volumen solcher Transaktionen für Europa auf 50 Mrd. Euro. Es sei durchaus Liquidität auf dem Markt vorhanden, so PwC-Experte Christopher Sur, denn es stünden derzeit rund 65 Mrd. Euro bei Investoren dafür bereit.