Wien.

Auszeit: Auch wer sein eigener Chef ist, will einmal eine Zeitlang nicht erreichbar sein. - © jumedita - Fotolia
Auszeit: Auch wer sein eigener Chef ist, will einmal eine Zeitlang nicht erreichbar sein. - © jumedita - Fotolia
Fünf Wochen bezahlter Urlaub im Jahr, freie Wochenenden, süßes Nichtstun an den Feiertagen: Wer beschließt, sein eigener Chef zu werden und sich selbständig macht, kann sich das - zumindest am Anfang - zumeist abschminken. "Ich war zu Beginn meiner Selbständigkeit sicher ein Jahr nicht auf Urlaub", erinnert sich die Wienerin Natascha Ljubic. Seit acht Jahren ist sie Unternehmensberaterin mit Schwerpunkt auf Social Media, und auch jetzt ist nicht mehr als eine Woche Auszeit drin. "Man kriegt ja nichts bezahlt, wenn man auf Urlaub ist", bringt sie es auf den Punkt.

Auch Jungunternehmerin Katja Fleischmann gönnte sich im vergangenen Jahr nur eine Woche Nichtstun. Heuer weilt die Texterin - sie bietet das Verfassen von Lebensgeschichten, Firmenbiografien, Briefen und Grußbotschaften an - allerdings einen ganzen Monat in ihrem Lieblings-Reiseziel Südamerika. "Ich möchte mich nicht von meiner Arbeit in Geiselhaft nehmen lassen", sagt sie. Und sie kann es sich auch leisten: Eine zweite Einnahmenquelle aus ihrer Tätigkeit als Sprachtrainerin an der Volkshochschule macht‘s möglich.

Durchrechnen,
ob Urlaubdrin ist


Bei allem Enthusiasmus und Arbeitseifer, den frischgebackene Selbständige bei ihrem Start an den Tag legen: Erholungsphasen sind wichtig und vermindern die Gefahr des Burn-out. "Es liegt uns sehr am Herzen, das in unseren Workshops zu vermitteln", sagt Gerhard Mikula, Leiter des Unternehmensgründungsprogramms (UGP) des Arbeitsmarktservice (AMS) in Wien, das Arbeitslose auf ihrem Weg in die Selbständigkeit unterstützt. Gemeinsam mit den Teilnehmern wird durchgerechnet, wie sich ein Urlaub finanziell ausgeht, auch wenn es das aus der Zeit der unselbständigen Erwerbstätigkeit liebgewonnene regelmäßige Urlaubsgeld nicht mehr gibt. Denn die fixen Ausgaben laufen weiter, auch wenn keine Honorareinnahmen fließen.

Kein Urlaubstag ohne E-Mail-Check


Wer nun für den Verdienstausfall vorgesorgt und beschlossen hat, Abstand von der Arbeit einzunehmen und die Batterie wieder aufzuladen, sollte es nicht verabsäumen, wichtige Kunden im Vorfeld über die vorübergehende Nicht-Erreichbarkeit zu informieren. Die Abwesenheits-Mail sollte dann aber mehr enthalten als die lapidaren Worte "Hallo! Ich bin am 15. wieder da." Ein freundlich und positiv formulierter Text stößt auf mehr Verständnis und dient auch als Aushängeschild für das Unternehmen. Das Gleiche gilt für den Text auf der Mailbox.

Das Gros der Selbständigen - insbesondere Ein-Personen-Unternehmen - ist aber auch im Urlaub erreichbar, sagt der Unternehmer und Landesvorsitzende der Jungen Wirtschaft Wien, Martin Puaschitz. "Ich habe kürzlich mit einem Projektpartner telefoniert, der saß gerade in Chile an einer Bushaltestelle", sagt er. Einzelkämpfern, die sich von Auftrag zu Auftrag hangeln, bleibe oft nichts anderes übrig, als sich mindestens eine Stunde täglich ihren E-Mails zu widmen - egal, wo sie gerade sind. Puaschitz: "Auch wenn‘s nur eine Kleinigkeit ist: Der Kunde will mit seinem Problem ernst genommen werden." Man erspare sich dadurch auch den Posteingangs-Schock nach der Rückkehr.

Um nicht ständig das Handy abheben zu müssen beziehungsweise Kunden und Geschäftspartner mit der unpersönlichen Ansage "Hinterlassen Sie eine Nachricht nach dem Signalton" konfrontieren zu müssen, könne man die Rufnummer an spezielle Call Center umleiten lassen. Deren Mitarbeiter heben dann im Namen des Unternehmers ab und schicken ihm per E-Mail oder SMS eine Anrufnotiz.

Leichter wird es, wenn sich das Ein-Personen-Unternehmen schon etwas etabliert hat und wächst, sprich: Mitarbeiter einstellt oder sich mit Partnern zusammentut, die die Stellung halten, wenn man auf Urlaub gehen will. "Das erfordert allerdings viel Vertrauen", betont Puaschitz. Der 29-Jährige hat mittlerweile bereits sieben Angestellte und kann sich auch mal für längere Zeit "ausklinken". Gewöhnungsbedürftig war es anfangs jedoch schon: "Als ich das erste Mal im Urlaub nichts gearbeitet habe, war das fast unangenehm."