Wien.

(kle/apa) Die Krise im Euro-Raum wirft ihre Schatten nun auch auf die Konjunktur in Österreich. Das heimische Wirtschaftswachstum hat sich zuletzt immer stärker eingebremst, im zweiten Quartal war es nur noch mit der Lupe wahrnehmbar. Eine Neuberechnung des Wifo ergab für Österreich lediglich 0,1 Prozent reales Wachstum - im Vergleich zum Vorquartal und auch zum gleichen Quartal des Vorjahres. Mitte August waren die Konjunkturforscher in einer ersten Schätzung noch von einem BIP-Plus von je 0,2 Prozent ausgegangen.

Österreich droht nun sogar eine Rezession. Das Wifo will nicht ausschließen, dass es im dritten und vierten Quartal ein Minus geben könnte. Von einer Rezession wird dann gesprochen, wenn die Wirtschaftsleistung eines Landes zwei Quartale in Folge schrumpft.

Wifo-Experte Christian Glocker glaubt zwar eher, dass im Gesamtjahr 2012 nur ein Quartal negativ sein wird. Dass heuer jedoch auch noch ein zweites Schrumpfquartal dazukommen könnte, müsse man sich jetzt näher ansehen. Mindestens ein negatives Quartal hat das Wifo schon länger in seiner Rechnung. Eine Vorschau mit neuen Konjunkturprognosen gibt das Institut am 28. September. Ende Juni ging es für heuer noch von 0,6 Prozent und für 2013 von 1,3 Prozent Realwachstum aus.

Dass hierzulande mittlerweile Flaute herrscht, hat mit den Einflüssen der europäischen Staatsschuldenkrise zu tun. Und denen kann sich Österreich nicht entziehen. So seien drei der fünf großen europäischen Volkswirtschaften - Großbritannien, Italien und Spanien - bereits in die Rezession geraten, hält das Wifo dazu fest. Zudem stagniere Frankreichs BIP, und lediglich aus Deutschland kämen noch positive Wachstumsimpulse.

Privatkonsum stagniert


Was die mäßige Konjunkturdynamik der heimischen Wirtschaft illustriert: Anlageinvestitionen wurden im zweiten Quartal laut Wifo weiterhin nur vorsichtig ausgeweitet - ebenso wie Investitionen in Ausrüstungsgegenstände. Bauinvestitionen stagnierten. Auch der Konsum der privaten Haushalte stagnierte im abgelaufenen Quartal - und das bereits zum zweiten Mal in Folge. Der öffentliche Konsum stieg etwas schwächer als in der Periode davor.

Dazu kommt, dass das Wachstum der Exporte vom ersten aufs zweite Quartal im Jahresabstand von 2,0 auf 0,3 Prozent massiv zurückgegangen ist. Noch im vierten Quartal 2011 hatte das Plus 3,7 Prozent betragen.

Noch größer war die Abschwächung bei den Importen: Sie verringerten sich im zweiten Quartal auf 0,1 Prozent im Jahresabstand, nach 1,2 Prozent Zuwachs im ersten und plus 4,0 Prozent im vierten Quartal 2011.

"Richtige Richtung"


Unterdessen erhofft sich das Wifo vom jüngsten Kurswechsel der Europäischen Zentralbank (EZB) positive Effekte im Kampf gegen die Schuldenkrise. Deren Bereitschaft, Staatsanleihen bestimmter Euro-Schuldenländer bei Bedarf auch unbegrenzt zu kaufen, um deren Zinslast niedrig zu halten, wertet Experte Glocker als "Schritt in die richtige Richtung".

Das unbegrenzte Anleihen-Aufkaufprogramm entspreche wieder mehr dem Gedanken einer gemeinsamen Geldpolitik, doch werde damit zweifellos auch über makroökonomische Ungleichgewichte innerhalb der Eurozone drübergewischt. Die Bondkäufe könnten, wie beabsichtigt, die Zinsen schuldengeplagter Länder, stabilisieren - das sei gut für die betroffenen Staaten, könnte aber auch deren Reformwillen im Hinblick auf den Konsolidierungsbedarf im Haushalt vermindern, verweist Glocker auf einen der Kritikpunkte am neuen EZB-Kurs. Ob diese Kursänderung auch psychologisch tatsächlich bei den Firmen und den privaten Konsumenten ankomme und deren Zuversicht in Sachen Investitionen verbessere, bleibe indes noch abzuwarten.