Wien. (kle) "Ist das Vermögen in den Händen weniger konzentriert, führt dies zu risikoreichen Veranlagungsstrategien und zum Aufblähen der spekulativen Finanzcasinos", meint Markus Marterbauer, Chefvolkswirt der Arbeiterkammer (AK). Aus seiner Sicht hat eine hohe Vermögenskonzentration neben der unzureichenden Regulierung der Finanzmärkte einen wesentlichen Anteil am Entstehen der jüngsten Finanzkrise gehabt. Und deshalb betont der einstige Wifo-Experte auch, dass Staaten mit hoher Vermögenskonzentration "ökonomisch instabil und besonders verwundbar sind".

Marterbauers Schlussfolgerungen beziehen sich auf eine neue Erhebung der Nationalbank über Höhe und Verteilung der Vermögen in Österreich. Laut dieser Studie verfügen nur 11,3 Prozent der Haushalte über mehr als 500.000 Euro Nettovermögen (alle Finanz- und Sachwerte abzüglich Schulden).

Demgegenüber stellen fast 40 Prozent der heimischen Haushalte mit null bis 50.000 Euro die größte Gruppe. In den vier folgenden Klassen bis zu 250.000 Euro finden sich zudem jeweils fünf bis zehn Prozent der Haushalte, sodass sich diese fünf Klassen auf rund 70 Prozent aller Haushalte aufsummieren. Nimmt man auch die Haushalte, die aufgrund ihrer Schulden per saldo in den roten Zahlen sind, dazu, zeigt sich, dass rund drei Viertel aller Haushalte über ein Nettovermögen von weniger als 250.000 Euro verfügen.

"Sehr wenige Haushalte mit sehr hohem Nettovermögen"

Will Verteilungsgerechtigkeit: SPÖ-Geschäftsführer Kräuter. - © APA/HERBERT NEUBAUER
Will Verteilungsgerechtigkeit: SPÖ-Geschäftsführer Kräuter. - © APA/HERBERT NEUBAUER

"Es gibt sehr viele Haushalte mit geringem Nettovermögen und sehr wenige Haushalte mit sehr hohem Nettovermögen", lautet das Fazit der Notenbank-Studie. Auch die Analyse der obersten und untersten zehn Prozent der österreichischen Haushalte zeigt eine ungleiche Verteilung der Vermögen: So sind es am unteren Ende der Skala weniger als 1000 Euro, während es am oberen jeweils mehr als 542.000 Euro sind.

Die SPÖ sieht sich durch die nun vorliegende Vermögensstudie in ihrer bisherigen Linie in Sachen stärkerer Vermögensbesteuerung bestätigt. Die Studie zeige "deutlich", dass mehr Verteilungsgerechtigkeit im Zentrum der künftigen Steuer- und Budgetpolitik stehen müsse, so SPÖ-Bundesgeschäftsführer Günther Kräuter in einer Aussendung.

Konkret pochen die Sozialdemokraten auf eine Erbschafts- und Vermögensbesteuerung mit einer Freigrenze von einer Million Euro. Bei der Klubklausur Mitte September hatte Bundeskanzler Werner Faymann bereits angedeutet, dass dies eines der Themen sein wird, mit dem die SPÖ ins Wahljahr 2013 gehen wird. "Arbeitende Menschen leisten durchschnittlich 40 Prozent an Einkommenssteuern, während leistungslose Einkommen wie Erbschaften und Schenkungen derzeit mit null Prozent besteuert werden", kritisiert Kräuter. Und von derzeit null Prozent Steuern für Erbschaften profitierten vor allem vermögende Haushalte.

Die ÖVP sieht das nicht so. Sie lehnt die Wiedereinführung einer Erbschaftssteuer ab, weil davon vor allem der Mittelstand betroffen wäre. Zudem spricht sich der Koalitionspartner der SPÖ grundsätzlich gegen mehr Vermögenssteuern aus. Denn damit würde nur eines erreicht: Kapitalflucht und die Abwanderung von Unternehmen. Die Folgen solcher Maßnahmen würde man schließlich in Frankreich sehen, hatte Vizekanzler Michael Spindelegger vor wenigen Wochen bei der Klubklausur seiner Partei erklärt: "Die Unternehmen gehen, die Arbeitslosen bleiben."

Vermögenssteuern lehnt auch der austro-kanadische Milliardär und politische Newcomer Frank Stronach ab. Er meint, dass Reiche über die Mehrwertsteuern ohnehin schon mehr bezahlen.