Wien. (kle) Dem früheren ÖBB-Generaldirektor Martin Huber sowie Ex-Personenverkehrsvorstand Franz Nigl droht ein Verfahren bei der Korruptionsstaatsanwaltschaft. Wie die "Regionalmedien Austria" berichten, wird Huber und Nigl in einer anonymen Anzeige "Freunderlwirtschaft" bei der Vergabe eines Millionen-Auftrags für Dienstuniformen vorgeworfen. Den damaligen Auftrag im Volumen von 1,6 Millionen Euro habe nämlich eine Firma von Christian Jagerhofer erhalten - Bruder des Eventmanagers Hannes Jagerhofer, der mit Huber befreundet sei, heißt es in dem vierseitigen Sachverhalt. Außerdem habe diese Firma keine Erfahrung in Sachen Dienstkleidung gehabt.

Huber und Nigl bestreiten die Vorwürfe. Huber betont über seinen Anwalt, er sei damals für die Beschaffung der Uniformen nicht verantwortlich gewesen.

Für die ÖBB geriet der Auftrag jedenfalls zum Desaster: Denn einem späteren Bahn-Gutachten zufolge waren die gelieferten Uniformen von minderer Qualität und teilweise stark beschmutzt. Da die Firma von Christian Jagerhofer im März 2009 in Konkurs ging, blieben die ÖBB auf schlechter Ware und auf den Kosten sitzen.

Staatsanwalt Erich Mayer von der Korruptionsstaatsanwaltschaft bestätigte am Mittwoch den Eingang der Anzeige. Ob die Korruptionsstaatsanwaltschaft oder die Staatsanwaltschaft Wien zuständig ist, wird derzeit noch geprüft. Grundsätzlich sind die "Korruptionsjäger" erst ab einem Schaden von mehr als fünf Millionen Euro zuständig.

Die Grünen erhoben im März 2010 in einer parlamentarischen Anfrage den Vorwurf, der Auftrag sei nicht an den Bestbieter gegangen. Die ÖBB weisen diesen Vorwurf zurück. Qualitätsmängel habe es zwar tatsächlich gegeben, deswegen seien jedoch rechtliche Schritte eingeleitet worden.