Wien. Der Wiener Banker Johann Wanovits ist sich keiner Schuld bewusst und geht in die Offensive. Als Mitangeklagter in der Telekom-Austria-Affäre (siehe oben) hat er über seinen Rechtsanwalt, Rainer Rienmüller, am vergangenen Dienstag bei der Staatsanwaltschaft Wien eine zehnseitige Sachverhaltsdarstellung gegen "unbekannte Täter" eingebracht. Darin äußert Wanovits im Zusammenhang mit dem Telekom-Mitarbeiteroptionsprogramm den Verdacht, dass es im Zeitraum vom 20. bis 26. Februar 2004 von "unbekannten Tätern" - womöglich aus der Finanzbranche - "zu manipulativen Tätigkeiten an der Börse kam, indem versucht wurde, den Kurs der Telekom-Aktie im relevanten Zeitraum unter den Schwellenwert von 11,70 Euro zu treiben". Und: "Die verdächtigen Angriffe auf den Kurs der Telekom-Aktie nach unten erfolgten im Wesentlichen über die Deutsche Bank AG."

Dubiose Tathandlungen?


Für Wanovits besteht der Verdacht, dass die "Tathandlungen nicht nur gegen Bestimmungen des Börsegesetzes von 2004 verstoßen, sondern auch den Tatbestand des Betruges erfüllen". Offensichtlich, meint sein Anwalt, sollten die Telekom-Austria-Mitarbeiter nicht in den Genuss des Optionsprogramms kommen. "An einer Manipulation des Kurses nach unten (unter 11,70 Euro) kann für Merrill Lynch sowie weitere Banken Interesse bestanden haben, an welche das Risiko aus dem Optionsvertrag weitergereicht wurde", wird in der Sachverhaltsdarstellung behauptet, die der "Wiener Zeitung" vorliegt. So soll die Telekom für den Optionsvertrag 15,3 Millionen Euro an Prämien an Merrill Lynch bezahlt haben. "Es ist davon auszugehen, dass Merrill Lynch sich abgesichert hat, indem sie das Risiko aus dem Optionsvertrag mit der Telekom an andere Banken ganz oder teilweise weiterreichte", heißt es in der Anzeige weiter.

In der Anzeige regt Wanovits an, Vertreter der Deutschen Bank, der Finanzmarktaufsicht (FMA), der Julius Bär Gruppe, von Merrill Lynch und der Telekom Austria einzuvernehmen. Indes heißt es in der Anklage, dass eine Prüfung der FMA ergeben hat, "dass kein verwaltungsstrafrechtlich relevantes Vorhalten vorliege".