Wien. (kle) Festgefahrene Positionen bei den Metallern, die noch dazu weit auseinander liegen: Vor Beginn der vierten Lohnverhandlungsrunde am späten Donnerstagnachmittag deutete nichts darauf hin, dass sich Gewerkschaft und Arbeitgeber einigen würden. Doch dann hat am Abend deutlich Bewegung gegeben. Veit Schmid-Schmidsfelden vom Verhandlungsteam der Arbeitgeber sprach in einer Verhandlungspause von einem "guten Klima", es herrsche nun ein "besseres thematisches Verständnis" auf beiden Seiten. Beide Seiten wollten noch am Donnerstag einen Abschluss erreichen, so Schmid-Schmidsfelden vor Journalisten.

Er schränkte aber ein, dass in einigen Bereichen noch ein weiter Weg vor den Verhandlern liege, Details nannte er nicht. Es könne auch sein, dass auf Basis der Annäherung in einem nächsten Verhandlungsteam dann eine endgültige Einigung präsentiert werde.

Die Belegschaftsvertreter Rainer Wimmer (Pro-Ge) und Karl Proyer (GPA) lobten ebenfalls das Gesprächsklima. Aber auch sie gaben zu bedenken, dass noch ein paar große Brocken vor den Verhandlern liegen würden.

In den nächsten beiden Stunden – also bis Mitternacht – werde sich klären ob bis in die Morgenstunden weiterverhandelt wird oder noch zu viele offene Fragen vorhanden sind. Sei letzteres der Fall würde man noch eine Verhandlungsrunde dranhängen, so Wimmer.

Druck durch Betriebsversammlungen
Der Druck auf die Arbeitgeber war jedenfalls schon vor der vierten Runde gestiegen. Am Montag und Dienstag dieser Woche waren bundesweit Betriebsversammlungen in den Unternehmen abgehalten worden. Außerdem stand vor der neuen Verhandlungsrunde so gut wie fest: Sollte es auch diesmal keine Einigung geben, würde ein Warnstreik - wie bereits im Vorjahr - die Folge sein.

Für den Fall, dass die Verhandlungen ein weiteres Mal ohne Abschluss bleiben, haben die beiden Gewerkschaften Pro-Ge und GPA für kommenden Montag vorsorglich eine Betriebsrätekonferenz im Wiener Austria Center anberaumt. Dabei würden dann einstimmige Beschlüsse zu Kampfmaßnahmen gefasst, heißt es. Und die würden in Richtung Streik gehen. Bisher hatte es bereits eine Betriebsrätekonferenz gegeben - am 10. Oktober in Amstetten. An der hatten nur die Betriebsratsvorsitzenden teilgenommen. Bei der möglichen Konferenz am Montag wären neben den Chefs sämtliche Betriebsräte dabei: dem Vernehmen nach insgesamt mehr als 2500 Leute.

Personalabbau als Drohung?

Die Arbeitnehmer haben bis dato fünf Prozent mehr Lohn gefordert. Die Arbeitgeber bieten - bei einer aktuellen Inflationsrate von 2,7 Prozent - eine Erhöhung um 2,26 Prozent. Nur im Fall von Konzessionen bei der Arbeitszeit wären sie zu 2,8 Prozent bereit. "Überzogene Erhöhungen bedeuten Personalabbau - das muss allen Verantwortlichen klar sein", warnte der Fachverband der Maschinen- und Metallwarenindustrie (FMMI) im Vorfeld der vierten Verhandlungsrunde. Dabei appellierte er erneut an die Arbeitnehmer, gemeinsam ein "Beschäftigungssicherungspaket" zu schnüren.

Der FMMI ist der mit Abstand größte Metaller-Fachverband. Am Donnerstag wurden die Löhne in dieser Branche (120.000 Beschäftigte) verhandelt. Heuer feilschen die insgesamt sechs Fachverbände erstmals getrennt.