Salzburg/Wien.Die Gespräche über die Rettung des angeschlagenen Salzburger Baukonzerns Alpine (15.000 Mitarbeiter, 3,6 Milliarden Euro Bauleistung) mit den Gläubigerbanken und Kreditversicherern sind am Mittwoch offenbar sehr konstruktiv verlaufen. Bereits zu Mittag ging man wieder auseinander. "Es war ein gutes Gespräch, die spanische Mutter FCC hat definitiv gesagt, dass sie hinter der Alpine steht", sagt ein Gesprächsteilnehmer zur "Wiener Zeitung". "Auch die Banken sind sehr dahinter, dass eine Lösung erzielt wird. Die muss man aber erst gemeinsam erarbeiten." Nachsatz: "Man hat ganz klar gesagt, dass man die Energie dazu hat und man die Alpine retten will. Es ist aber ein höchst komplexes Ding." Denn es gilt, die Vorstellungen vieler Banken unter einen Hut zu bringen.

Zu den Großgläubigern zählen Erste Bank und Unicredit als Art Konsortialführer sowie die Raiffeisenlandesbank Oberösterreich, ÖVAG, Hypo Kärnten und VTB, aber es soll kleinere Banken geben, die womöglich am Ende nicht mitspielen werden. Eine belgische Bank soll sich entsprechend geäußert haben.

Fakt ist: Die finanzierenden Banken müssen für die weitere Vorgangsweise den Segen ihrer Gremien einholen. Ein noch ausstehender Geldeinschuss aus der Vergangenheit in Höhe von 31 Millionen Euro wird laut Insidern "sicher erfolgen". "Es muss aber auch frisches Geld rein, die kolportierte Summe von 150 Millionen Euro ist Schwachsinn, ich weiß nicht, woher diese Summe kommt", sagt ein Teilnehmer. "Es wird sicher eine hohe Summe zur Überbrückung benötigt, aber der genaue Kapitalbedarf wird erst ermittelt und wird eindeutig unter 150 Millionen Euro liegen." Nachsatz: "Das Geld wird zum Teil vom Alleineigentümer FCC kommen, und die Banken werden etwas dazu beitragen müssen." Dazu kommt, dass auch über Fälligkeiten von Forderungen und Stundungen bzw. Rückstehungen verhandelt wird.

Dem Vernehmen nach soll sich diese "Bankenrunde" deshalb nicht so kompliziert gestalten, weil die Banken nicht unterschiedlich bzw. kaum besichert sind.

Die Alpine will sich künftig auf das Kerngeschäft konzentrieren und die Sparte Alpine Energie, die Solar- und Windkraftwerke, Schaltanlagen und Hochspannungsnetze baut, zwecks Kapitalbeschaffung verkaufen.

Die Restrukturierer von Boston Consulting, die seit vier Wochen (wieder) bei Alpine an Bord sind, haben bereits vor längerer Zeit die Linzer Alpine-Energie Holding AG (2750 Mitarbeiter, 484,69 Millionen Euro Betriebsleistung) unter die Lupe genommen.

1,4 Milliarden Euro Schulden

Dem Vernehmen nach soll der Baukonzern mit 660 Millionen Euro Bankschulden kämpfen, dazu kommen 290 Millionen Euro Anleiheverbindlichkeiten. Doch darin sind Garantien und Haftungen nicht eingerechnet.

"Es gibt noch jede Menge Garantien, darunter Performance-, und Anzahlungsgarantien", sagt ein Insider. Dieses Volumen an sogenannten Eventualverbindlichkeiten wird auf mehrere hundert Millionen Euro geschätzt. Bei diesen Garantien geht es um Vertragserfüllung und Gewährleistung bei Bauaufträgen. Indes bezifferte der Alpine-Konzern 2011 seine Bauleistung mit rund 3,62 Milliarden Euro, abzüglich der Leistungen in Arbeitsgemeinschaften machte das unter dem Strich 3,15 Milliarden Euro. Der operative Jahresgewinn wurde mit 10,24 Millionen Euro ausgewiesen. Die Gesamtkonzern-Ergebnisrechnung ergab ein Minus 12,97 Millionen Euro.

Die kurz- und langfristigen Schulden wurden mit 1,459 Milliarden Euro beziffert, davon entfallen 680,5 Millionen Euro auf Finanzverbindlichkeiten.