Wien. (apa/kle) Heute, Mittwoch, beginnt das Ringen um neue Kollektivvertragsabschlüsse für mehr als eine halbe Million Beschäftigte (Angestellte und Lehrlinge) im österreichischen Handel. Die Gewerkschaft GPA-djp steigt unter anderem mit der Forderung nach einer kräftigen Gehaltserhöhung in den Ring. Die Arbeitgeber wollen einen flexibleren Kollektivvertrag (KV) - vor allem in puncto Samstagsarbeit und der Ausbezahlung von Resturlauben.

Am vergangenen Freitag einigte sich die Gewerkschaft mit dem bei weitem größten Metaller-Fachverband FMMI auf einen Lohnanstieg um bis zu 3,4 Prozent für die 120.000 Beschäftigen der Maschinen- und Metallwarenindustrie. Traditionell liegt der KV-Abschluss im Handel unter dem der Metaller.

Derzeit beträgt das Mindestgehalt im Handel 1350 Euro brutto für Vollzeitkräfte. Für GPA-Vizechef Karl Proyer muss es diesmal Richtung 1400 Euro gehen: "Damit den Menschen netto real etwas bleibt, muss die Erhöhung zumindest um einen Prozentpunkt über der Inflationsrate liegen." Die als Basis für die Gehaltserhöhung herangezogene Teuerungsrate wird heute bekanntgegeben.

Daneben ist auch die sechste Urlaubswoche ein Anliegen der Gewerkschaft. Die bekommen Beschäftigte derzeit nur dann, wenn sie 25 Jahre durchgehend im selben Unternehmen gearbeitet haben. Da die meisten Handelsmitarbeiter im Regelfall zwei bis fünf Jahre bei einem Arbeitgeber bleiben, erleben sie die sechste Urlaubswoche nicht. In den Genuss einer sechsten Woche Urlaub im Jahr kommen lediglich fünf Prozent der Handelsangestellten.

Samstagsarbeit auch im Fokus

Eine Änderung der Urlaubsregelung wollen auch die Arbeitgeber - allerdings in die Richtung, dass der ihrer Ansicht nach starre KV flexibler wird und so eine Ausbezahlung von Resturlauben ermöglicht. Die Gewerkschaft hat dem aber schon im Vorfeld eine Absage erteilt. Die Urlaubsregelung sei Bundesgesetz und nicht auf KV-Ebene zu lösen.

Entgegenkommen wollen die Arbeitnehmervertreter dem Handel jedoch bei der Samstagsarbeit - in welcher Form, sollen eigens dafür eingerichtete Arbeitsgruppen entscheiden. Bei den KV-Runden wird dieses Thema nicht behandelt. Derzeit darf im Handel nur jeden zweiten Samstag gearbeitet werden, aus Sicht der Branche ist das nicht mehr zeitgemäß.

Der Handels-KV gilt für rund 530.000 Beschäftigte (davon etwa 17.600 Lehrlinge). Er ist somit der größte KV in Österreich. 2011 einigte man sich auf eine Erhöhung der Gehälter um durchschnittlich 3,6 Prozent, mindestens aber um 50 Euro. Einigen sich Arbeitnehmer- und Arbeitgeberseite in der ersten Runde nicht, was als ziemlich unwahrscheinlich gilt, bleiben noch Verhandlungstermine am 31. Oktober, 13. November, 20. November und 27. November.