Salzburg. "Ja, ich bin auch eine von denen", stellt sich die Salzburgerin Romy Sigl vor. "Die", das sind Salzburgs erste Coworker, und Sigl hat ihnen mit dem von ihr gegründeten Coworking Space Salzburg zu Jahresbeginn eine Heimat gegeben: "Als ich mir zu 50 Prozent sicher war, dass es funktioniert, habe ich den Coworking Space Salzburg gestartet."

Sie arbeitet selbst im Coworking Space, der ersten dieser neuen Form von Bürogemeinschaften in Salzburg, und ist vielleicht eine Prototypin der Coworker-Szene. Auf ihrer Visitenkarte stehen fünf Unternehmungen, ein sechster Job hat es noch nicht auf die Karte geschafft. Die meiste Zeit wendet die 30-Jährige für das Managen des Coworking Space auf, daneben ist sie Designerin, strickt und verkauft Hauben und betreut das Citylabor Salzburg, das Salzburgs Kreativwirtschaft vernetzt.

Das Citylabor ist auch das einzige dieser Unternehmen, das öffentlich gefördert wird, und steht in enger Kooperation mit dem Coworking Space. Der ist konzipiert wie ähnliche Projekte in anderen Städten. Neben Arbeitsplätzen, Meetingräumen und gemeinsamer Küche gibt es auch eine Bühne für Veranstaltungen samt DJ-Pult. "Man muss sich das vorstellen wie beim Festspielhaus und den Festspielen", sagt Sigl. "Das City Labor bespielt den Coworking Space mit Veranstaltungen."

Projekte werden am


8. November präsentiert


Damit soll die Salzburger Kreativwirtschaft angekurbelt werden. Der wird nämlich großes Potenzial bescheinigt. "Salzburg befindet sich in Sachen Start-Ups im Märchenschlaf und gehört wachgeküsst. Wir machen das gerade", ist Sigl überzeugt. So werden beim Event "idea meets investor" am 8. November Start-Ups und potenzielle Investoren zusammengebracht. Zehn von einer Investoren-Jury ausgewählte Start-Ups dürfen den Geldgebern ihre Ideen präsentieren. Interessierte Investoren sind dabei herzlich willkommen. Die Starthilfe ist besonders in Salzburg nötig, bietet die Stadt doch eigentlich keinen idealen Nährboden für Start-Ups. Denn die entwickeln sich oft aus bestehenden Industriebetrieben heraus, von denen es in Salzburg nicht übermäßig viele gibt. In Linz etwa ist mit dem Daxbau ein ähnliches Projekt bereits ein knappes Jahr früher gestartet. In Salzburgs überschaubarer Wirtschaft dominiert der Tourismus.

Eine überschaubare Kleinstadt hat aber auch Vorteile. "Wenn du in Salzburg fünfmal in der Zeitung bist, kennt dich praktisch jeder", erklärt Sigl. Das erleichtert aber nicht unbedingt die Investorensuche: "Es ist nicht so, dass es in Salzburg keine Geldgeber gäbe. Doch die kennen das nicht, dass man sein Geld in ein anderes Unternehmen investiert. Sie sehen nicht, dass es mehr ist als nur eine Spielerei. Hier wird eher in Grund und in Aktien investiert."

Über den Status einer Spielerei ist Matthias Zeitler mit seinem Unternehmen Mark The Globe bereits hinaus. Er hat mehrere Angestellte, mit denen er sich auf mehrsprachige Suchmaschinenoptimierung spezialisiert hat - bisher das einzige mehrköpfige Team im Coworking Space Salzburg. Doch auch Zeitler sucht noch Investoren. "Wir sind stark gefördert, wollen aber auch von privater Seite mehr Kapital."

Die Freiheit, jederzeit


gehen zu können


Völlig anders verdient Bürokollege Eric Jesse sein Geld. Er berät ein französisches Finanzierungsunternehmen. Mit seiner Frau zog er nach Salzburg, wegen der regelmäßigen Reisen nach Paris für den früheren Arbeitgeber wechselte er den Job. Seit Anfang Oktober arbeitet der 31-Jährige im Coworking Space. "Ich habe Coworking vorher auch nicht gekannt. Aber ich bin sehr froh, hier zu sein. Es ist eine gute Möglichkeit, Leute kennenzulernen." Zusammengebracht hat sie alle diese neue Form des selbständigen und doch gemeinsamen Arbeitens. "Es ist wahrscheinlich die Freiheit, jederzeit gehen zu können, die den Reiz ausmacht", glaubt Sigl. Gegangen ist aber bisher keiner.