Wut, Verzweiflung, Resignation - auf Facebook laden ausgesperrte Kunden ihren Frust ab.
Wut, Verzweiflung, Resignation - auf Facebook laden ausgesperrte Kunden ihren Frust ab.

Manchmal kann man etwas speichern, manchmal nicht. Einige Anwender finden ihre Daten, viele vermissen so Manches. Und bisweilen verschwindet die Homepage. Die IT-Umstellung der Bank Austria hat die Nutzung der Online-Dienste zum elektronischen Roulette gemacht.

"Ich habe keine Ahnung, wo meine Vorlagen sind", erzählt eine Nutzerin des Online-Bankings der BA. Sie hatte immerhin das Glück, vom System akzeptiert zu werden. Viele können heute bereits den fünften Tag in Folge nicht auf ihr Konto zugreifen. Das Management redet sich weiterhin auf Überlastung der Systeme aus.

Eben das kommt bei den Kunden gar nicht gut an. Nicht zu Unrecht verweisen sie darauf, dass ein derartiges System entsprechend großzügig angelegt sein sollte. Immerhin konnte man erwarten, dass es nach den angekündigten zweieinhalb Tagen Sperre zu einem Andrang kommen würde.

Auf Facebook steht die Bank unter Dauerbeschuss.  Gut gemeinte Ratschläge des geplagten Servicepersonals finden wenig Gefallen: "nein ich kann NICHT in die filiale gehen, da ich von 6 bis 18 Uhr durchgehend dienst habe", weist ein Anwender den Weg zum Bankschalter zurück. Auch auf Anleitungen zur neuen Oberfläche reagieren die User allergisch: "Wie soll ich Dauerauftraege nachschauen wenn man schon beim Einloggen rausfliegt", heißt es in einem Posting.

Die es tatsächlich schaffen sich einzuloggen, sind mit der neuen Oberfläche eher unglücklich: "Die Benutzeroberfläche ist ein Witz! Unübersichtlich, 10x mehr Clicks als vorher und jedesmal ein Filter, bevor man eine Auflistung bekommt." Aufgrund der Störungen ist nicht klar, was Bugs der neuen Software sind, und was auf die Ausfälle zurückzuführen ist. Sammelüberweisungen sind anscheinend nicht mehr vorgesehen, die Änderung von Daueraufträgen dürfte zur Zeit auch nicht möglich sein.

Ein treffendes Licht auf die Stimmung werfen die Kommentare in der Wiener Zeitung Online:
Exkunde: "Werde mein Konto kündigen."
Kurz darauf die Antwort: "Aber sicher nicht online :-)..."

Wann das System der Bank Austria wieder in vollem Umfang funktionieren wird, ist unklar. Auf der Website wird der Kunde mit Eigenwerbung begrüßt, auf der Login-Seite erhält er seltsamerweise Sicherheitstipps in englischer Sprache...

Probleme im Ausland

Mittlerweile wurde bekannt, dass die Umstellung zu ziemlichen Problemen im Ausland geführt hat. So war es am Wochenende nicht möglich von Bankomaten im Ausland Geld abzuheben oder Tickets mit der Bankomatkarte zu zahlen. Im Vorfeld hatte das Institut versprochen, Zahlungen mit Kreditkarten würden nicht von der Umstellung betroffen.

Wer daraufhin auf die IT-Umstellung der Bank Austria verwies, erntete selten Verständnis. So gab die deutsche Bahn einem Kunden zu verstehen, dass man die üblichen Ausreden bei Kontosperren kenne. Der Redaktion ist der skurrile Fall eines Studenten bekannt, der mangels Zugriff auf sein Geld im Behinderten-WC versteckt in Richtung Heimat fahren musste.

Die Bank haftet

Klar ist, dass die Bank Austria für zusätzlich anfallende Belastungen wie Mahnspesen oder Pönalen haftet. Das Institut rät seinen Kunden auf Facebook, sich an ihre Betreuer zu wenden. Beschwerden würden einzeln geprüft. Man kann aber davon ausgehen, dass diese Prüfung wohlwollend erfolgt. Allfällige Verfahren würden den Imageverlust der Bank wohl noch vergrößern.

Ergänzung: Am 31.10 um 16 Uhr erschien auf der Privatkunden-Seite eine Stellungnahme, in der es heißt: "Sollten durch die Verzögerungen Nachteile entstandenen sein, übernimmt die Bank Austria selbstverständlich dafür die Verantwortung und wird unbürokratische Lösungen anbieten."

Hintergrund

Mit der Umstellung vereinheitlicht der Bank-Austria-Mutterkonzern UniCredit in der ganzen Gruppe seine IT-Welt. Das System EuroSIG wurde bereits in Italien, Tschechien und Deutschland implementiert.