Wien. (apa/kle) Die von tagelangen Pannen im Internet-Banking und Zahlungsverkehr begleitete Umstellung auf ein neues IT-System wird für die Bank Austria ein teures Nachspiel haben. Zu Schadenersatzzahlungen für betroffene Kunden hat sich die Wiener Unicredit-Tochter bereits bereiterklärt. Zudem sollen alle 700.000 Online-Banking-Kunden mit Gutscheinen besänftigt werden - mit welchem Betrag und wo einlösbar, wird demnächst genannt. Bankchef Willibald Cernko sagt jedenfalls: "Das wird uns einiges kosten."

Bei der Umstellung der Bank-Austria-IT auf die der italienischen Konzernmutter Unicredit am letzten Oktober-Wochenende ist viel schiefgelaufen. Die Internet-Foren sind seit eineinhalb Wochen voll mit zornigen Schreiben frustrierter Kunden. Das Online-Banking stockte immer wieder und arbeitete teilweise fehlerhaft, Selbstbedienungsautomaten in den Filialen spuckten kein Geld oder keine Auszüge aus, Überweisungen liefen verzögert - und Kunden drohten empört mit Abzug.

Für Cernko "ein Alptraum", der am Montag, dem 29. Oktober um 11.15 Uhr begann. Da wurde das am Abend davor hochgefahrene neue System so instabil, dass ein Sicherheitsrisiko bestand und für sechs Stunden abgedreht werden musste.

Neuerliches Update in


der Nacht auf Donnerstag


Dass wegen des IT-Desasters auch Kunden verlorengehen, darauf hat sich die Bank einzustellen. "Einige werden die Konsequenzen ziehen, so leid es uns tut. Damit muss ich einfach rechnen", sagte Cernko. Aber er sehe auch, dass man der Bank die Treue halte. Sogar Managerkollegen von Konkurrenzinstituten hätten Hilfe angeboten.

In der Nacht auf heute, Donnerstag, wurde das E-Banking der Bank wieder abgeschaltet, für ein größeres Software-Update bis in die Morgenstunden. Neben technischen Verbesserungen kündigte Cernko auch Erleichterungen in der als zu kompliziert kritisierten Benutzeroberfläche an. So solle die Orderübersicht und das elektronische Zahlungssystem verbessert werden, auch die vielen englischen Ausdrücke würden eingedeutscht. Das erneute Update ist eines von mehreren, das in den kommenden Tagen noch ansteht. Rechtzeitig vor dem Steuertermin (Monatsmitte) muss auch das vor allem für Firmenkunden relevante Finanzamts-Steuerzahlungssystem in Ordnung sein.

"Das ist eine schlechte Leistung, die wir da abgeliefert haben", räumte Cernko reumütig ein. "Natürlich werden wir uns in einer Manöverkritik wiederfinden, wenn wir aus der kritischen Phase heraußen sind."