Wien.

Robert Beer (44) ist Country Manager von Xing in Österreich und der Schweiz. - © Xing
Robert Beer (44) ist Country Manager von Xing in Österreich und der Schweiz. - © Xing

"50 Prozent der Jobs werden über Beziehungen vergeben. Da ist ein Netzwerk enorm wichtig", sagt Robert Beer, Country Manager des Online-Business-Netzwerks Xing in Österreich. Der 44-jährige Schweizer spricht aus eigener Erfahrung: Durch den Hinweis eines Xing-Kontaktes fand er seinen jetzigen Job. Arbeitnehmer sollten in ihrem Xing-Profil einen vollständigen Lebenslauf - wie bei einem Bewerbungsschreiben mit einem professionellen Foto - erstellen und ihn laufend aktualisieren, um potenzielle Arbeitgeber auf sich aufmerksam zu machen.

Zwar sind Berufstätige bei der Nutzung von sozialen Netzwerken den Unternehmen noch voraus. Doch "immer mehr Firmen nutzen digitale Netzwerke für das Recruiting", sagt Beer im Gespräch mit der "Wiener Zeitung".

Derzeit verwenden österreichische Unternehmen Xing, Facebook und LinkedIn vor allem, um Informationen über Bewerber einzuholen. Eine größere Rolle im Recruiting spielt laut Umfrage des Karriereportals Monster dabei nur Xing, das vergangene Woche die Marke von 500.000 Nutzern in Österreich geknackt hat.

Mitarbeiter für Suche nach neuen Kollegen einspannen

Firmen suchen laut Beer zunehmend direkt nach Kandidaten, weil nicht jede Stelle über ein Jobinserat besetzt werden kann. "Wunschkandidaten bewerben sich oft nicht. Viele in einem Unternehmen Beschäftigte sind aber für bessere Jobangebote offen", sagt Beer. Diese Kandidaten erreiche man über Business-Netzwerke. "Das bedeutet zwar Arbeit, spart aber Zeit und Geld, denn das Teuerste beim Recruiting sind Zeitverlust und eine falsche Auswahl von Bewerbern", sagt Beer.

Mit dem neuen Werkzeug "Xing Talentmanager" können Personalverantwortliche auf Xing geeignete Kandidaten anhand von Kriterien wie Sprachkenntnisse oder Region suchen. Beer rät Firmen außerdem, ihre Mitarbeiter bei der Suche nach neuen Kollegen einzubinden, indem sie ihr Netzwerk über freie Stellen informieren.

Fotos und Videos geben Einblick in Arbeitsalltag

"Unternehmen sollten sich mit Sozialen Netzwerken befassen, sonst geraten sie als Arbeitgeber ins Hintertreffen", warnt Beer. Ein professionell gestalteter Auftritt vermittelt Bewerbern und Kunden einen guten Eindruck.

"Heutzutage bewerben sich nicht mehr die Arbeitnehmer bei den Arbeitgebern, sondern die Arbeitgeber bei den Arbeitnehmern - dieser fundamentale Paradigmenwechsel scheint endlich in den Betrieben angekommen zu sein", sagt Markus Gruber, Initiator der Studie "Career’s Best Recruiters". Deutlich mehr Betriebe als früher gewähren Einblick in den Arbeitsablauf: 45 Prozent der Arbeitgeber zeigen Fotos aus dem Arbeitsalltag, 41 Prozent stellen Mitarbeiter als Testimonials vor.

Das Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmen Deloitte, ausgezeichnet als "Career’s Best Recruiter 2012", betreibt einen eigenen Karriereblog, in dem Mitarbeiter über ihren Joballtag berichten und Einblick in interne Entwicklungen geben. Für Studenten gibt es eine eigene Facebook-Seite. Zudem werden freie Stellen und Artikel aus dem Karriereblog sowie Fachnews auch auf Xing und LinkedIn veröffentlicht.

Mit dem Wiener Start-Up Whatchado werden Mitarbeitervideos produziert, die einen noch persönlicheren Einblick in den Berufsalltag geben. "Durch Offenheit in der Kommunikation lassen sich interne wie externe Netzwerke schaffen", sagt Margareta Holz, Partner bei Deloitte Recruiting Services. "Werden diese punktgenau eingesetzt, ist Kommunikation weitaus kostengünstiger und gezielter als bisher möglich."

Xing in Zahlen

Das vor der Übernahme durch den Burda-Verlag stehende Business-Online-Netzwerk Xing hat mehr als 12 Millionen Mitglieder, davon 800.000 zahlende Nutzer. Mitgliedsbeiträge machen zwei Drittel des Umsatzes von 66 Millionen Euro 2011 aus. Am stärksten wachsen die Bereiche E-Recruiting, Werbung und Events, von denen viele von ehrenamtlichen Ambassadoren organisiert werden. Xing beschäftigt 500 Mitarbeiter, den Großteil inHamburg.