Wien. (ede) Für den Österreichischen Haus- und Grundbesitzerbund (ÖHGB) schießt das neue Energieausweisvorlagegesetz über das eigentliche Ziel, nämlich einen effektiven Beitrag für den Klimaschutz zu leisten und die Energieunabhängigkeit der EU zu stärken, hinaus. "Österreich war hier wieder mal übereifrig. Laut den Vorgaben der EU sind nämlich keinesfalls zwei Werte, die noch dazu technisch kompliziert sind, zwingend gefordert", sagt Edda Cosentini, Sprecherin des ÖHGB. In Deutschland etwa werde das Thema lange nicht so heiß gegessen.

Es sei davon auszugehen, dass Haus- und Wohnungseigentümer künftig mit den komplizierten Regelungen überfordert seien und vermehrt rechtliche Beratung in Anspruch nehmen müssten. "Wir beobachten schon jetzt erhöhten Beratungsbedarf in unseren Landesverbänden", sagt Cosentini.

Selbst bei Einhaltung aller Vorschriften sei ein Eigentümer nicht vor künftigen Streitigkeiten mit dem Mieter oder Käufer gefeit. Denn obwohl die Erstellung eines Energieausweises nur auf Standardannahmen basiere, die mit den realen Werten des konkreten Gebäudes nicht übereinstimmen müssten, seien die Grenzen zwischen einem fehlerhaften Energieausweis und einem Ausweis, dessen Angaben noch innerhalb einer gewissen Bandbreite liegen und der damit noch Richtigkeit für sich in Anspruch nehme, äußerst unbestimmt. Es könnte der Fall eintreten, dass ein Mieter durch (unkontrolliertes) Offenhalten der Fenster in der kalten Jahreszeit eklatant höhere Energiekosten produziere als im Energieausweis angegeben und dann unrichtige Angaben im Ausweis dafür verantwortlich macht.

Der ÖHGB rät jedenfalls, bei der Beauftragung eines Energieausweiserstellers nicht nur auf die Kosten, sondern auch auf den konkreten Leistungsinhalt zu achten. Auf "Ferndiagnosen" sollte man sich nicht einlassen, eine Besichtigung des Objekts sei unerlässlich.

Der ÖHGB hat für seine Mitglieder die Auftragsbedingungen in einem Vertragsmuster zusammengestellt. Mehr Infos unter www.oehgb.at,

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