Wien. "Es gibt nur zwei Dinge, die wirklich globalisiert sind: Information und Kapital": Mit diesen Worten streute Wirtschaftskammer-Vizepräsident Hans-Jörg Schelling der am Donnerstag in Wien versammelten heimischen IT-Branche Rosen. Anlässlich des jährlichen "IT- und Beratertages" wurde einmal mehr die Bedeutung des IT-Business für Wirtschaft und Gesellschaft Österreichs ins Rampenlicht gerückt. Um diese Bedeutung  nicht nur zu bestätigen, sondern auch auszubauen, gilt es freilich, in den kommenden Jahren große Herausforderungen zu bewältigen.

IT als Lebensader der Wirtschaft: Unter diesem Motto bat der Fachverband Unternehmensberatung und IT (UBIT) der Wirtschaftskammer Österreich zum 10. jährlichen "IT- und Beratertag" in Wien. Unter Hinweis auf zahlreiche Studien erläuterte Bernhard Felderer, Alt-Direktor des Instituts für höhere Studien, warum dieses Motto Berechtigung hat. So ist der IT-Sektor für 4,1 Prozent des gesamten Wirtschaftswachstums Österreichs mitverantwortlich, mit einem Umsatz von knapp 14 Milliarden Euro und einer direkten Wertschöpfung von 5,4 Milliarden Euro zählt er inzwischen zu den wichtigsten Wirtschaftszweigen des Landes. Das gilt auch mit Blick auf den Arbeitsmarkt: Entgegen landläufiger Vermutungen ist "die technische Entwicklung nicht arbeitsplatzkonsumierend, sondern schafft Jobs", betonte der Ökonom und verwies darauf, dass 100.000 Arbeitsplätze direkt im IT-Sektor zu verorten sind und weitere 320.000 Jobs eng an die digitale Wirtschaft gekoppelt sind.

"Das Thema IT betrifft uns alle"
Dass die IT aber neben der Wirtschaft längst auch alle anderen Lebensbereiche erobert hat, darf nicht vergessen werden. "Das Thema IT betrifft uns alle", zeigte sich Schelling überzeugt: Egal, ob es um Energie, Verkehr, Verwaltung oder Ausbildung geht, ist kein Bereich mehr ohne digitale Leistung denkbar. Umso wichtiger ist es daher, in allen Bereichen des öffentlichen, aber auch privaten Lebens, auf eine funktionstüchtige und moderne IT zurückgreifen zu können. Dabei präsentiere sich Österreich im internationalen Vergleich einerseits stark, weise aber auch gravierende Defizite auf, die es zu bewältigen gilt.

So weist Schelling zunächst auf das "Langzeitprojekt" der elektronischen Gesundheitsakte ELGA hin, die von der Regierung beschlossen ist, aber von der Ärztekammer noch bekämpft wird. Die "Trägheit der Umsetzung", die Schelling damit in Zusammenhang stellt, sorge in einigen Bereichen für Probleme und gefährde die Möglichkeit, das gewaltige Einsparungspotenzial, das IT auch und gerade in der Verwaltung berge, zu heben.

Eine Trägheit, die übrigens keineswegs nur dann anzutreffen ist, wenn die Öffentlichkeit mit der Nase darauf gestoßen wird. Denn immer noch wird die Technologie vielfach als Bedrohung oder kaum verständliche Materie aufgefasst, wie den Ausführungen von Gerfried Stocker, künstlerischer Leiter des Ars Electronica Linz, zu entnehmen ist. Obwohl die digitale Realität, beispielsweise in Gestalt der in ständiger Datenkommunikation befindlichen Smartphones, allgegenwärtig ist, scheitern wir vielfach daran, uns dieses Umstandes auch zu vergegenwärtigen. Künstlerische Projekte wären dabei behilflich, diesen Missstand zu beheben.

Ein weiterer Ansatz wäre zudem, die Informationstechnologie stärker in der Bildung zu verankern, eine Forderung, die die Branche angesichts des akuten Fachkräftemangels übrigens nicht zuletzt aus Eigeninteresse bereits seit Jahren erhebt. Dazu wären freilich gerade die Lehrer in die Pflicht zu nehmen, die in Bezug auf IT-Wissen im internationalen Vergleich nachhinken. "Wir haben niedrige Skills bei LehrerInnen", stellt Felderer fest und appelliert an die Politik, hier dringend erforderliche Schritte zu setzen. Nicht zuletzt, um Schülern, aber auch Lehrern den Schrecken vor der IT zu nehmen. Und damit dazu beizutragen, dass Österreich auch im globalisierten Strom der Informationen seinen Platz behauptet.