Österreichs Wirtschaft wächst. Das Bruttoinlandsprodukt legte im Jahresabstand um 0,7 Prozent zu. - © APAweb / APA, Herbert Neubauer
Österreichs Wirtschaft wächst. Das Bruttoinlandsprodukt legte im Jahresabstand um 0,7 Prozent zu. - © APAweb / APA, Herbert Neubauer

Wien. Österreichs Wirtschaft ist im 3. Quartal doch nicht wie erwartet abgestürzt. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) lag real um 0,1 Prozent über dem Vorquartal, gab das Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) am Montag bekannt; ursprünglich war von 0,1 Prozent Rückgang ausgegangen worden. Im Jahresabstand lag das BIP im Zeitraum Juli bis September real sogar um 0,7 Prozent höher, die erste Berechnung Mitte November hatte auf eine Stagnation (+/- Null) hingedeutet.

In den kommenden Monaten werde sich die Wirtschaft zwar weiterhin gedämpft entwickeln, das allgemeine Indikatorenbild habe sich zuletzt aber nicht weiter verschlechtert, erklärte das Wifo weiter. Der private Konsum entwickelte sich demzufolge im 3. Quartal anhaltend schwach, und die Investitionen waren rückläufig. Die Exporte wurden laut Wifo zwar gesteigert, der Wertschöpfungsgewinn aber durch die Ausweitung der Importe teilweise kompensiert.

Im 2. Quartal d.J. ist das heimische BIP im Quartals- und Jahresabstand um 0,1 Prozent gewachsen, bestätigte das Wifo am Montag außerdem. Für das 1. Quartal 2012 bleibt es im Quartalsabstand bei 0,3 Prozent Zuwachs, der Anstieg im Jahresabstand wurde aber geringfügig von 1,8 auf 1,7 Prozent nach unten revidiert.

Wirtschaftsprognose könnte unverändert bleiben
Nach dem besser als ursprünglich erwartet verlaufenen 3. Quartal könnte das Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) seine Wachstumsprognose für das Gesamtjahr 2012 doch unverändert lassen und nicht, wie Mitte November befürchtet, um 0,1 bis 0,2 Prozentpunkte kürzen müssen.

"Ohne der Prognose Ende kommender Woche vorgreifen zu wollen: Wir werden höchstwahrscheinlich bei den 0,6 Prozent bleiben, denn für das Gesamtjahr ist das Wachstum im noch ausstehenden 4. Quartal relativ wenig ausschlaggebend", sagte Wifo-Experte Stefan Schiman am Montag. Falls man überhaupt nach unten revidieren müsse, dann in einem sehr geringen Ausmaß von vielleicht 0,1 Prozentpunkt.

"Gerettet" haben das österreichische BIP im abgelaufenen 3. Quartal die Einfuhren und der Bausektor. Die Netto-Importe seien letztlich positiv statt negativ gewesen, und der Bau habe sich überraschend stabil entwickelt, so der Wifo-Experte. Im Geld- und Kredit-Sektor habe es weniger Rückgang gegeben als zunächst erwartet.

In den kommenden Monaten werde die Wirtschaft weiter getrübt sein, "das ist absehbar - ohne unserer Dezember-Prognose vorzugreifen", betonte der Wifo-Fachmann. Allerdings zeigten die Frühindikatoren mittlerweile nicht mehr so stark abwärts, einige seien sogar stabil geblieben. Dass der Tiefpunkt damit erreicht sein könnte, lasse sich daraus aber noch nicht ableiten. OeNB-Gouverneur Ewald Nowotny hatte am Freitag bezüglich der Eurozone gemeint, hier werde der Tiefpunkt vermutlich im jetzigen 4. Quartal erreicht sein, und er "hoffe, dass wir das diesmal nicht nach hinten verschieben müssen".