Wien. Die Zahl der Insolvenzen im laufenden Jahr blieb trotz schwieriger wirtschaftlicher Rahmenbedingungen stabil. Daten von Kreditschutzverband von 1870 (KSV) zufolge meldeten 6.010 Unternehmen und 9.629 Privatpersonen im Jahr 2012 Insolvenz an. Die Dunkelziffer der Pleitefälle dürfte freilich weit darüber liegen: Allein im Privatbereich rechnet der KSV mit rund 100.000 Menschen, die ihr gesamtes Vermögen verloren haben - aber offiziell keine Insolvenz anmeldeten.

Weil eine Insolvenz und damit eine Regelung zur Entschuldung nur dann möglich ist, wenn noch ein wenig Vermögen vorhanden ist, bedeutet das für viele überschuldete Privatpersonen, noch tiefer in die Schuldenspirale einzutauchen, wie der KSV kritisiert. Erfasst werden in der Statistik folglich nur Personen, die sich für eine Insolvenz gemeldet haben.

Arbeitslosigkeit, Krankheit, Scheidung oder Selbstständigkeit
Das Vorurteil dass die Schuldenfalle die Folge von Verschwendungssucht ist, stimmt laut KSV jedenfalls nicht. Auslöser seien vielmehr in den meisten Fällen Arbeitslosigkeit, Krankheit, Scheidung und eine gescheiterte Selbstständigkeit. Insgesamt gibt es derzeit 90.500 Personen die ein privates Entschuldungsverfahren laufen haben - dieses dauert zwischen fünf und sieben Jahre, mindest 10 Prozent der Schulden müssen zurück gezahlt werden. Dass Schuldner auch mit einer Nullquote in Insolvenz gehen können, wie das in Deutschland der Fall ist, lehnt der KSV ab. Dies würde von ihnen den Anreiz nehmen, zumindest eine kleine Wiedergutmachung zu leisten.

Warnung vor "GmbH light"
Von den 6.010 Firmenpleiten konnten 2.518 mangels Vermögen nicht in ein Insolvenzverfahren übergeleitet werden. Ein großer volkswirtschaftlicher Schaden, wie KSV-Insolvenzexperte Hans-Georg Kantner betont. Die Folge wäre, dass sich die Schulden weiter anhäufen und ein völliger Zahlungsausfall eintritt. Kantner warnt auch vor einer "GmbH light" - sprich einer deutlichen Senkung der Kapitaleinlage von derzeit 30.000 Euro - dieser Betrag gehöre eher angehoben und sei keineswegs als Gründungshürde zu sehen. Vielmehr würde die Einlage dafür sorgen, dass die Firmengründer auch bei Auftragsflauten noch durchtauchen könnten, so Kantner am Dienstag vor Journalisten.