Wien/Linz. (sf) Mit Jubiläumsaktionen wie "1+1 gratis" im Jänner will Billa zum 60-Jahr-Jubiläum die Mitbewerber unter Druck setzen. "Es ist Geschichte, dass der Diskont billiger ist als Billa", sagte Billa-Vorstand Josef Siess am Donnerstag in Wien. Im österreichischen Lebensmittelhandel herrsche ein harter Verdrängungswettbewerb, der Abstand zu Hofer sei in den vergangenen Jahren geschrumpft.

Als Einzelmarke führt Diskonter Hofer derzeit mit 20 Prozent Marktanteil, die zum Rewe-Konzern gehörende Supermarktkette Billa hält bei 17 Prozent und will 2015 Marktführer sein. Beim Umsatzwachstum sollen auch die Eigenmarken helfen, mit denen Billa aktuell knapp mehr als ein Fünftel des Umsatzes macht.

Die vor zwei Jahren eingeführte Eigenmarke "Billa" mit aktuell 600 Produkten wächst stark und ist für fünf Prozent des gesamten Billa-Umsatzes verantwortlich. "In den nächsten Jahren wird der Umsatz der Billa-Eigenmarke Clever und wohl auch Ja!Natürlich überholen", erwartet Siess.

Heuer werden um 100 Millionen Euro 100 Billa-Filialen umgebaut, 30 Geschäfte werden neu eröffnet. Derzeit verfügt die Supermarktkette über 1027 Standorte in Österreich.

Die auf Snacks spezialisierte "Billa Box" mit fünf Standorten laufe nicht wie erwartet, sagte Billa-Vorstandssprecher Volker Hornsteiner: "Es ist schwer, geeignete Standorte zu bekommen, denn es werden sehr hohe Ablösen verlangt." In diesem Monat werde über die Zukunft der Vertriebsschiene entschieden.

Zielpunkt wird kein Diskonter


Neu positioniert wird der Lebensmittelhändler Zielpunkt: "Zielpunkt wird sicher kein Diskonter", er solle vielmehr nahe am Unimarkt positioniert werden, sagten die Pfeiffer-Geschäftsführer Erich Schönleitner und Markus Böhm am Donnerstag in Linz. Die oberösterreichische Firmengruppe hält seit November 24,9 Prozent bei Zielpunkt, 75,1 Prozent gehören der BOW Beteiligungs Gmbh des Pfeiffer-Anwalts Gerald Schmidsberger.

Bisher wurden 15 Zielpunkt-Filialen geschlossen, aktuell gibt es noch 283. Weitere fünf Standorte sollen zusperren, im Gegenzug sollen drei neue aufmachen. Das Personal soll im Wesentlichen bleiben. Die oberösterreichischen Geschäfte wurden bereits zu Unimärkten. Möglich wäre, dass die Filialen westlich von St. Pölten Unimarkt und östlich Zielpunkt heißen. Zielpunkt setzte im Vorjahr 542,7 Millionen Euro um. Das entspreche einem Plus von einem Prozent, trotz weniger Standorte. Innerhalb von drei Jahren soll die Handelskette wieder ertragsstark gemacht werden.

Hersteller setzen auf Export


In der heimischen Lebensmittelindustrie stagnierte im Vorjahr die Produktionsleistung, der Umsatz stieg nominell um drei Prozent auf 15,1 Milliarden Euro, schreibt die Bank Austria in ihrem Branchenbericht. "Das Ergebnis 2012 reiht sich in die Entwicklung der Lebensmittelindustrie der letzten Jahre ein, als die Branche keine oder nur schwache Produktionssteigerungen verbuchen konnte und Umsatzzuwächse nur auf Basis von Preissteigerungen möglich waren, gleichzeitig aber hohe Kostensteigerungen tragen mussten", sagt Bank-Austria-Ökonom Günter Wolf. Wichtigste Stütze war der Export: Die Exportquote der Branche hat sich in den vergangenen 20 Jahren auf 31 Prozent verdoppelt.