Graz. (wh) Bei den Gemeinderatswahlen im November wurde die SPÖ mit Martina Schröck an der Spitze von den Grazern noch brutal abgestraft: Der Absturz auf knapp 13 Prozent bedeutete einen historischen Tiefpunkt für jene Partei, die in den 70er Jahren noch mit absoluter Mehrheit die steirische Landeshauptstadt regierte.

Am Freitag nun wählte der Gemeinderat Schröck mit denkbar knapper Mehrheit (24:23 Stimmen bei einer Enthaltung) zur Vizebürgermeisterin, zuvor hatte es KPÖ-Stadträtin Elke Kahr in drei Wahlgängen nicht geschafft, die Mehrheit der Abgeordneten von sich zu überzeugen. Die in Graz traditionell starken Kommunisten errangen bei der Gemeinderatswahl erstaunliche 19 Prozent und Platz zwei hinter der ÖVP von Bürgermeister Siegfried Nagl.

Die neue Grazer Stadtregierung wird von ÖVP, FPÖ und SPÖ getragen, die sich auf ein Kooperationsabkommen, das nicht zuletzt einen scharfen Sparkurs verfolgt, einigen konnten; Kommunisten und Grüne konnten oder wollten hier nicht in allen Punkten mit.

Dass Kahr bei der Wahl zur Vizebürgermeisterin scheiterte, überraschte, schließlich hatten sich FPÖ (7), Grüne (6) und Piraten (1) für sie ausgesprochen; die SPÖ hatte die Abstimmung für ihre Abgeordneten (7) freigegeben; mit den Stimmen der KPÖ (10) hätte sich eine Mehrheit im Gemeinderat mit 48 Abgeordneten locker ausgehen sollen. Offensichtlich haben jedoch sämtliche SPÖ-Mandatare gegen die Kommunistin gestimmt, die ÖVP hatte dies bereits zuvor angekündigt.

Gemeinsam vereinigen ÖVP und SPÖ mit 24 Abgeordneten exakt die Hälfte der Mandate auf sich; bleibt die Frage, aus welcher Partei die eine wahlentscheidende Enthaltung gekommen ist. Der Verdacht fiel als Erstes auf die Grünen, bei denen tatsächlich in den ersten beiden Wahlgängen jeweils ein Mandatar ausscherte. Am Freitag jedoch, so beteuerten die Grazer Grünen, habe die Fraktion geschlossen für Kahr gestimmt. Beweisen lässt sich dies freilich nicht.

"Für mich ist es keine Tragik, aber die Leute verstehen diese Spielereien nicht", kommentierte Kahr. Ihre siegreiche Konkurrentin, SPÖ-Stadträtin Schröck, sprach von einer "ganz neuen, herausfordernden Situation" im Gemeinderat, bei der man künftig "viel diskutieren und auch streiten müsse, um Lösungen zu finden".