Wien. (kle) "Bei den Energiepreisen läuft etwas schief", kritisiert Arbeiterkammer-Direktor Werner Muhm. Er sieht die Kosten für die viel propagierte Energiewende ungleich verteilt. Während die Industrie von günstigen Energiepreisen profitiere, hänge man den privaten Haushalten Preissteigerungen um. "Diese verbrauchen zwar nur ein Viertel des Stroms, müssen aber 40 bis 50 Prozent der Ökostromkosten tragen", sagt Muhm. "Damit muss Schluss sein." Tendenziell sollte sich die Belastung der Haushalte hier halbieren, forderte Muhm am Mittwoch in einer Pressekonferenz.

Wie die Arbeiterkammer erhoben hat, zahlt ein durchschnittlicher Haushalt für die Förderung von grünem Strom heuer bereits 64 Euro (inklusive Mehrwertsteuer) - um 43 Prozent mehr als im Vorjahr. Auf die Ökostromkosten entfielen damit schon rund zehn Prozent der Jahresstromrechnung (zirka 630 Euro).

Generell pocht Muhm aber auch darauf, dass die E-Wirtschaft Preissenkungen nicht nur an Industriekunden weitergibt, sondern an alle Verbraucher. Gerade die Haushalte zahlten schon seit Jahren überhöhte Energiepreise. Ein Beispiel: Während etwa die Strom-Großhandelspreise im Zeitraum Juli 2008 bis Jänner 2013 um ein Viertel sanken, stiegen die Energiepreise für Haushalte um bis zu 20 Prozent. Dazu kommt, dass die Haushalte laut AK mehr als im EU-Durchschnitt zahlen müssen, die Industrie jedoch weniger.

Daneben stößt sich Muhm auch an weiteren noch drohenden Belastungen für Kleinkunden. Dabei geht es etwa um Begehrlichkeiten der Energieversorger nach höheren Zuschlägen für Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen, um die Milliardenkosten für die neuen, "intelligenten" Haushalts-Stromzähler (Smart Meter) und um die Finanzierung des Netzausbaus, von der sich die Energieerzeuger laut AK teilweise verabschieden wollen.

Energieeffizienz: Limit für Ausgleichszahlungen

Beim geplanten Energieeffizienzgesetz - heute, Donnerstag, endet die Begutachtungsfrist - begrüßt Muhm zwar, dass jene Effizienz-Maßnahmen, die den Energielieferanten abverlangt werden sollen, zu 40 Prozent bei den Haushalten ankommen müssen. Dafür nötig sei aber eine Limitierung der Ausgleichszahlungen, mit denen sich Lieferanten - wie im Entwurf vorgesehen - beim zuständigen Wirtschaftsminister von ihren Effizienz-Verpflichtungen "freikaufen" können.

Muhm: "Der Wirtschaftsminister darf nicht auf das Auffüllen seiner Kasse hinarbeiten, sondern auf Maßnahmen, die tatsächlich bei den Menschen ankommen."