Wien. "Merken Sie sich nur drei Zahlen: plus 35 Prozent, plus 25 Prozent und plus 100 Prozent - insgesamt das beste Jahr der Unternehmensgeschichte." OMV-Chef Gerhard Roiss lässt sich durch leichte Heiserkeit die Laune bei der Präsentation der Bilanzzahlen für 2012 am Donnerstag in Wien nicht verderben. Um mehr als ein Drittel auf 3,4 Milliarden Euro ist das operative Ergebnis - bereinigt um Lager-Bewertungsdifferenzen - gestiegen. Um ein Viertel auf 42,6 Milliarden Euro legte der Umsatz des österreichischen Öl- und Gaskonzerns zu. Und - darauf ist Roiss besonders stolz - glatt verdoppelt - von 450 auf 900 Millionen Barrel - hat sich der Umfang der Projekte in der Pipeline des Bereichs "Exploration und Produktion".

In das Suchen und Fördern von Öl und Gas soll auch in den nächsten Jahren der Löwenanteil der Investitionen fließen - 2013 sind insgesamt 2,8 Milliarden budgetiert, gut zwei Drittel davon fließen in E&P. Das Ziel, 2016 die Förderung auf mehr als 350.000 Fass Erdöläquivalent pro Tag zu steigern und bis 2021 an die 500.000 boe/d heranzukommen, scheint realistisch. In Österreich und Rumänien soll die Produktion stabil gehalten werden. Auch im Weinviertel wird aktuell gebohrt, aber nur um alte Felder noch besser ausfördern zu können - "Schiefergas ist und bleibt kein Thema in Österreich".

Zuwachspotenzial gibt es im Schwarzen Meer - wo nach dem Großfund des Vorjahres vor der rumänischen Küste jetzt auch weitere vor Bulgarien und der Ukraine vermutete Felder exploriert werden -, in der Nordsee, in Pakistan, im Nordirak und in Neuseeland. Auch in Afrika südlich der Sahara will man sich nach Projekten umsehen, konkret in welchem Land, will man noch nicht sagen.

Libyen-Förderung wieder so hoch wie vor der Krise


Für die OMV lief 2012 fast alles nach Wunsch: Die Produktion in Libyen und auch im Jemen hat wieder fast vollständig das Niveau von vor der Revolution erreicht - insgesamt konnte damit die Förderung gegenüber 2011 um fünf Prozent auf 303.000 boe/d gesteigert werden; die Raffineriemarge war deutlich höher als im Jahr davor; der Ölpreis war stabil hoch - im Schnitt konnten fast 100 Dollar pro Barrel erlöst werden - auch heuer kalkuliert man übrigens mit einem Ölpreis nicht unter 100 Dollar.

In Libyen "macht sich natürlich schon bezahlt, wenn man auch in schwierigen Zeiten durchhält", sagte Roiss. "Wir haben unseren Mitarbeitern auch während des Krieges die Gehälter gezahlt." In Libyen werden, ebenso wie im Jemen, vorerst nur lokale Mitarbeiter beschäftigt, sagte Jaap Huijskes, Vorstand für Exploration und Produktion (E&P).

Das Ergebnis belastet haben die Ölpreis-gebundenen Bezugspreise von Gas, "die höher sind, als das, was wir im Land beim Weiterverkauf erzielen können. Die Spot-Preise sind tiefer als die Bezugspreise aus den langfristigen Verträgen." Heuer dürfte sich die Situation aber etwas entspannen, weil mit dem russischen Gaslieferanten Gazprom über eine weitere Preissenkung verhandelt werde, wobei "der vertraglich vorgesehene frühestmögliche Anpassungszeitpunkt der 1. April 2013 ist", sagte OMV-Gasvorstand Hans-Peter Floren, er hofft auf Einsparungen "in Höhe eines zweistelligen Millionenbetrages".

Die Internationalisierung der OMV habe dazu geführt, "dass wir 90 Prozent unseres Ergebnisses außerhalb von Österreich erzielen", sagte Roiss - vor zehn Jahren waren es erst rund 40 Prozent". Dennoch bleibe Österreich wichtig, auch wenn das Tankstellengeschäft im Heimatmarkt auch 2012 rote Zahlen schrieb.