Wien. (kle) "Ich habe keine Erklärung dafür." Viel mehr ließ sich der Chef der Telekom Austria, Hannes Ametsreiter, am Donnerstag zur Frage, warum frühere Kollegen - hochdotierte Manager - Untreue begangen hätten, nicht entlocken. "Die Justiz hat jedenfalls rasch und professionell reagiert", sagte Ametsreiter bei der Bilanzpräsentation der teilstaatlichen Telekom. Wie berichtet hatte das Gericht am Mittwoch im Prozess um die Telekom-Kursaffäre Haftstrafen gegen die drei Ex-Manager Stefano Colombo, Rudolf Fischer und Josef Trimmel ausgesprochen. Für unschuldig befunden wurde lediglich der frühere Generaldirektor Heinz Sundt.

Bei der Telekom selbst geht es nach längerer Durststrecke wieder aufwärts. 2012 kehrte der Ex-Monopolist in die Gewinnzone zurück: Unter dem Strich wurden 104 Millionen Euro verdient, nach einem Verlust von 253 Millionen im Jahr davor. Auch das operative Ergebnis drehte ins Plus - und zwar auf knapp 457 Millionen Euro. 2011 war hier noch ein Minus von 7,6 Millionen Euro zu Buche gestanden.

Leicht gesunken ist im vergangenen Jahr jedoch der Konzernumsatz - um 2,8 Prozent auf 4,3 Milliarden Euro. Für heuer rechnet Ametsreiter angesichts eines anhaltend scharfen Wettbewerbs mit einem weiteren Rückgang auf 4,1 Milliarden Euro. Nicht zuletzt deshalb soll der Gürtel dieses Jahr nochmals kräftig enger geschnallt werden. "2012 brachte Kosteneinsparungen in Höhe von rund 70 Millionen Euro, für 2013 sind weitaus höhere Einsparungen geplant", kündigte Ametsreiter an, ohne sich auf eine Zahl festzulegen. Zumindest im Vorjahr hat der börsennotierte Konzern in Österreich und Bulgarien auch Personal abgebaut, insgesamt sank die Mitarbeiterzahl um 4,5 Prozent auf 16.446 Beschäftigte.

Stabil bleibt auf jeden Fall die Führung des Unternehmens. Den per Ende 2013 auslaufenden Vertrag von Ametsreiter hat der Telekom-Aufsichtsrat zur Wochenmitte um drei Jahre verlängert (mit der Option auf weitere zwei Jahre).

Dividende für 2012 und heuer: Fünf Cent je Aktie

Ebenfalls stabil bleiben soll die Dividende. So wie für 2012 sollen auch für heuer fünf Cent je Aktie ausgeschüttet werden, bekräftigte Ametsreiter am Donnerstag.

Notwendige Investitionen - so etwa in neue Technologien und den Netzausbau - sieht der Telekom-Boss durch den harten Wettbewerb, die seiner Meinung nach zu strenge Regulierung und die Eingriffe bei den Roaming-Entgelten zwar behindert. Dennoch werde das Unternehmen weiter in die nächste Mobilfunkgeneration LTE investieren, so Ametsreiter. Auch über Zukäufe denke man nach.

Heuer will die Telekom insgesamt 700 Millionen Euro investieren. Als größter Brocken gilt die "Digitale Dividende" (freiwerdende analoge Funkfrequenzen). Die wird im Herbst versteigert, und da will die Telekom wie der Mitbewerb zukaufen. Wie viel Geld dafür eingeplant ist, wollte Finanzchef Hans Tschuden aus Wettbewerbsgründen nicht sagen.

Im Mobilfunk konnte die Gruppe 2012 die Kundenzahl um 3,1 Prozent auf fast 21 Millionen Nutzer steigern. Am heimischen Mobilfunkmarkt konnte A1 zwar die Kundenzahl leicht nach oben treiben (um 2,1 Prozent). Der Umsatz gab aber um 5,3 Prozent auf 2,8 Milliarden Euro nach. Im Festnetzmarkt blieb in Österreich die Zahl der Anschlüsse mit 2,6 Millionen konstant.

Der Telekom-Börsenkurs legte am Donnerstag stark zu - im Verlauf um bis zu sieben Prozent.