Wien. (apa/sf) Zu einem Kundenansturm hat am Donnerstag der Ausverkauf bei der insolventen Elektrokette Niedermeyer geführt. Bis Samstag locken in jenen 53 der 98 Filialen, die geschlossen werden, Rabatte bis zu 50 Prozent. Rund 120 Kunden warteten kurz vor neun Uhr vor dem Geschäft im Einkaufszentrum Galleria im 3. Wiener Bezirk, sagte Niedermeyer-Sprecher Christian Rothmüller.

Die Regale in den Abverkaufsfilialen wie in der Thaliastraße in Wien waren nur noch spärlich bestückt. Handys waren im Geschäft in der Wiener Lugner City bereits komplett ausverkauft.

Der Abverkauf soll noch Einnahmen bringen - doch an den finanziellen Schwierigkeiten der Elektrokette wird er nichts ändern. Die Schulden betragen 29 Millionen Euro. Das Wiener Unternehmen braucht einen Investor, um den Umbau der restlichen Filialen auf ein "erlebnisorientiertes Shopkonzept" zu stemmen. Laut Niedermeyer laufen Gespräche mit potenziellen Investoren aus dem In- und Ausland. Ein Geldgeber für den Elektrohändler scheint aber schwer zu finden. Laut Niedermeyer-Chef Werner Weber könnte Cyberport "ein möglicher Investor" sein, berichtet der "Kurier". Niedermeyer kooperiert seit über einem Jahr mit dem Dresdner Internethändler.

Betriebsversammlungen gehen nächste Woche weiter


279 der insgesamt 580 Mitarbeiter verlieren ihren Arbeitsplatz. Ihr letzter Arbeitstag ist der Samstag, wenngleich Kündigungsfristen von bis zu fünf Monaten eingehalten werden müssen. "Die Mitarbeiter können sich vom Masseverwalter kündigen lassen oder selbst den Austritt erklären", sagt Klaus Schmidtbauer, AK-Experte im Insolvenzschutzverband für ArbeitnehmerInnen. Einen Sozialplan gibt es nicht. Lehrlinge werden von übrig gebliebenen Filialen übernommen. Ausnahmen gelten auch für beeinträchtigte Personen, Karenzen, Betriebsräte und Frauen in Mutterschutz - sie können nicht ohne Weiteres gekündigt werden. Kommende Woche finden in ganz Österreich wieder Betriebsversammlungen statt.