• vom 12.04.2013, 18:04 Uhr

Österreich

Update: 12.04.2013, 21:28 Uhr

Immofinanz

Immofinanz-Prozess endete mit Haftstrafen




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  • Schuldsprüche für Petrikovics, Schwager, Thornton
  • Staatsanwalt wirft Ex-Managern Arroganz, Abgehobenheit und Lügen vor.



Wien. (kle/apa) Mehr als vier Jahre ist es her, seit die Affäre rund um die börsenotierte Immofinanz turmhohe Wellen schlug. Der heimische Immobilienkonzern stand damals am Rande der Insolvenz, Anleger verloren wegen hoher Kursverluste viel Geld, und mutmaßliche Malversationen des Managements riefen die Justiz auf den Plan. In dem seit 22. Jänner geführten Strafprozess am Landesgericht Wien wurde am Freitag mit einem Urteil nun der vorläufige Schlusspunkt in der Aufarbeitung der hochbrisanten Causa gesetzt.


Die Angeklagten Karl Petrikovics, Helmut Schwager und Christian Thornton wurden wegen Untreue verurteilt. Ex-Immofinanz-Chef Petrikovics muss sechs Jahre hinter Gitter, der frühere Immofinanz-Aufsichtsratspräsident Schwager viereinhalb Jahre.Der frühere Prokurist Thornton wurde zu zwei Jahren Haft verurteilt, die allerdings auf drei Jahre bedingt ausgesprochen wurden.

Außerdem müssen Petrikovics und Schwager 11,2 Millionen Euro zahlen. 7 Millionen Euro erhielt die frühere Immoeast (sie ist 2010 in die Immofinanz hineinfusioniert worden), 4,2 Millionen Euro die Aviso Zeta, die Bad Bank der Constantia Privatbank (CPB), zugesprochen. Die Urteile sind noch nicht rechtskräftig. Schwager hat bereits Rechtsmittel angemeldet. Vom Vorwurf der Bildung einer kriminellen Vereinigung (Mafia-Paragraf) wurden Petrikovics und Schwager freigesprochen.

Die Angeklagten hätten ihre Befugnisse, über fremdes Vermögen zu verfügen, wissentlich missbraucht, so die Richterin Claudia Moravec-Loidolt. "Wir haben hier gelernt, dass die wirtschaftliche Betrachtungsweise von der strafrechtlichen abweicht". Das Urteil fiel am Freitagabend nach dreieinhalbstündiger Beratung des Schöffengerichts am Wiener Straflandesgericht.

Der Anklagevorwurf des Staatsanwaltes Volkert Sackmann hatte auf schwere Untreue und Bildung einer kriminellen Vereinigung gelautet - mit einer Strafdrohung von bis zu zehn Jahren Gefängnis.

Hauptangeklagter war Karl Petrikovics, einst Chef der Immofinanz und der Constantia Privatbank (CPB). Mit ihm saßen auch Ex-Immofinanz-Aufsichtsratspräsident Helmut Schwager und der frühere Prokurist Christian Thornton auf der Anklagebank. Das Verfahren gegen den mitangeklagten Ex-Manager Norbert Gertner war wegen Krankheit aus dem Prozess ausgeschieden worden. Der mitangeklagte Treuhänder Ernst Hable wurde indes während des Prozesses freigesprochen und die Anklage gegen ihn zurückgezogen.

In seinem Schlussvortrag am Freitag warf der Staatsanwalt den Angeklagten Arroganz, Abgehobenheit und Lügen vor. An das Gericht appellierte er: "Sie haben heute die Möglichkeit, diese Herren von ihren hohen Rössern auf den Boden der Realität zu holen."

Brisante Optionsgeschäfte
Petrikovics, Schwager und Thornton betonten hingegen auch in ihren Schlussworten ihre Unschuld. Petrikovics hob hervor, er habe stets zum Wohl des Unternehmens gearbeitet. Schwager meinte, hätte er von Unrechtmäßigkeiten gewusst, hätte er sie sofort abgestellt. Nur Thornton ließ Reue anklingen: Hätte er damals das gewusst, was er heute wisse, hätte er vieles nicht gemacht.

Jedenfalls sollen Petrikovics, Schwager und Gertner das komplizierte Firmengeflecht der Constantia/Immofinanz-Gruppe ausgenutzt haben, um sich im Geheimen selbst rund 21 Millionen Euro zuzuschanzen. Petrikovics und Ex-Immofinanz-Vorstand Gertner waren Vorstandsmitglieder der CPB, die über Managementverträge alle Fäden bei der Immofinanz und zahlreichen anderen Tochterfirmen zog. Schwager war nicht nur Aufsichtsratspräsident der Immofinanz, sondern auch CPB-Aufsichtsratsvize.

Über geheim gehaltene Aktienoptionsgeschäfte am Aufsichtsrat vorbei hätten sich die Angeklagten unrechtmäßig bereichert, so die Anklage. Ohne Einsatz eigenen Geldes hätten sie diese Geschäfte mit Mitteln diverser Konzerngesellschaften gemacht und diese geschädigt.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2013-04-12 18:08:06
Letzte Änderung am 2013-04-12 21:28:23


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