Wien. Wenn der Obmann der mächtigen Raiffeisen Holding Niederösterreich, Erwin Hameseder, seinen Porsche zu Schrott fährt, mag das eine Zeitungsmeldung wert sein. Dass aber die Schadensmeldung der Raiffeisen-Versicherung mit dem hämischen Hinweis, er war bei Schneefahrbahn mit Sommerreifen unterwegs, publiziert wird, ist doch ungewöhnlich für die Giebelkreuz-Organisation. Dahinter soll - so Insider - eine noch eher unklare Machtverteilung im weitverzweigten Beteiligungsimperium stehen.

Bis 2012 war alles klar: Christian Konrad war der unbestrittene Chef. Nach seinem Abgang als Generalanwalt im Raiffeisenverband wurde es komplizierter. Konrad ist nach wie vor Aufsichtsrats-Chef der RLB NÖ-Wien, die gehört aber der Holding - und deren Obmann ist Hameseder. Er war davor lange Zeit einer der engsten Mitarbeiter Konrads und Generaldirektor der Bank. Das ist nun Klaus Buchleitner, der in der Bankbranche als kluger Stratege gilt. Buchleitner macht gerade Kehraus im Vorstand der Bank, unter anderem wechselt der langjährigen Hameseder-Vertraute Kurt Miesenböck in eine andere Raiffeisen-Beteiligungsholding, die Leipnik-Lundenburger (LLI). "Der Staub nach dem Konrad-Abgang hat sich noch nicht gelegt", sagte ein Raiffeisen-Manager.

In der LLI werkt als Vorstandschef der frühere ÖVP-Obmann Josef Pröll. Und der wird von Christian Konrad und auch dem jetzigen Generalanwalt Walter Rothensteiner (RZB) massiv gefördert. Josef Pröll übernahm von Christian Konrad die Positionen als Landesjägermeister von NÖ und als Präsident der Ludwig-Boltzmann-Gesellschaften. Mit Konrad sitzt er auch im Aufsichtsrat von Siemens Österreich.

Und Josef Pröll wird nun auch in den Aufsichtsrat der Casinos Austria AG einziehen, und zwar statt des früheren Bankhaus-Schelhammer-Chefs Helmut Jonas. Aufsichtsrats-Vorsitzender der Casinos Austria ist - Walter Rothensteiner. Der mit ruhiger Hand operierende RZB-Chef schafft damit das Kunststück, mit einem 36-Prozent-Anteil demnächst über eine Mehrheit im Casino-Aufsichtsrat zu verfügen.

Bei den Casinos tut sich noch einiges: Die neuen Nationalbank-Direktoren Peter Mooslechner und Kurt Pribil ersetzen Duchatczek und Zöllner. Ex-Städtische-Chef Günter Geyer scheidet dort aus dem Aufsichtsrat aus, genauso wie Gottfried Wanitschek (Ex-Uniqa-Vorstand). Christine Dornaus (Städtische) und Hannes Bogner (Uniqa) folgen nach.