Wien. (sf) Nach einer Serie von Hausdurchsuchungen der Wettbewerbshüter bei Herstellern wie Berglandmilch, NÖM und Kärntnermilch sowie Lebensmittelhändlern in den vergangenen eineinhalb Jahren sind sich die Molkereien keiner Schuld bewusst: "Ich schließe Preisabsprachen aus", sagt Helmut Petschar, Präsident der Vereinigung Österreichischer Milchverarbeiter und Geschäftsführer der Kärntnermilch.

Die Bundeswettbewerbsbehörde ermittle wegen Absprachen über Aktionsmengen und -zeiträumen zwischen Molkereien und Lebensmittelhändlern. Kleinere Molkereien müssten mit dem Handel Vereinbarungen über Aktionsmengen treffen, damit sie genug liefern können, so Petschar.

Bußgelder wurden bisher gegen Berglandmilch (1,125 Millionen Euro) und Rewe International (20,8 Millionen Euro) verhängt. Mit einem Vergleich könne ein jahrelanger Rechtsstreit vermieden werden, für den kleine Molkereien nicht die personellen Ressourcen hätten, so Petschar.

Die Bauern lieferten im Vorjahr mit 2,97 Tonnen zwei Prozent mehr Milch an, die Verkaufspreise gingen zurück. Dadurch blieben die Umsätze der Milchverarbeiter mit 2,2 Milliarden Euro unverändert. Der an die Bauern ausgezahlte Preis ging auf 33,6 Cent je Kilogramm Milch zurück.

Der Absatz von Milchprodukten in Österreich sank leicht, Rückgänge gab es vor allem bei Fruchtjoghurts und Desserts. Die Exporte stiegen dagegen um 7,5 Prozent auf 1,043 Milliarden Euro - somit wird fast die Hälfte der Umsätze im Ausland erzielt, die größten Abnehmer sind Deutschland und Italien. Wichtigstes Exportprodukt ist Käse.

Preiserhöhungen geplant


Das bereinigte Ergebnis der Geschäftstätigkeit (EGT) der Molkereien lag bei 0,6 Prozent des Umsatzes - das ist weniger als der Durchschnitt in den vergangenen zehn Jahren. Eine Ursache dafür ist laut Petschar die "Aktionitis" im Handel: Bei Großlochkäse und Fruchtjoghurts liege der Aktionsanteil bereits über 50 Prozent.

Nach Preisreduktionen im Sommer 2012 wollen die heimischen Molkereien nun höhere Verkaufspreise im Handel durchsetzen. Vorbild ist Deutschland, wo die Preise kürzlich um rund neun Prozent gestiegen sind.