Wien. "Der Euroraum ist die Schwachstelle der Weltwirtschaft", sagte Nationalbank-Gouverneur Ewald Nowotny bei der Vorstellung der neuesten Wirtschaftsprognose am Freitag. Während in den USA die Rezession eindeutig beendet worden sei, gelte dies für den Euroraum leider nicht. "Der Euroraum ist eindeutig in einer Rezession."

Für den Euroraum erwartet die OeNB für 2013 einen Rückgang des realen BIP um 0,6 Prozent, und für 2014 eine Zunahme um 1,1 Prozent. Man habe die Dynamik des Abschwungs unterschätzt, so Nowotny. Die Rezession habe nunmehr auch Kernstaaten des Euroraumes wie die Niederlande und Finnland erreicht. "Es fehlt eine Wachstumslokomotive", so der Notenbankchef. Denn auch für Deutschland wird für heuer nur ein Wachstum von 0,4 Prozent prognostiziert und 1,9 Prozent für 2014. Es bestehe aber die Hoffnung, dass der Tiefpunkt der wirtschaftlichen Entwicklung bis zur Jahresmitte erreicht werde, "und wir dann wieder einen Aufschwung sehen".

Österreich sei einer der wenigen europäischen Staaten mit positivem Wachstum. Auch für Österreich erwartet Nowotny den Tiefpunkt des Einbruches in diesem Jahr, sodass Österreich nächstes Jahr wieder Wachstum haben könnte, Exporte und Investitionen sollten wieder deutlich anspringen. Insgesamt gebe es eine ausgeglichenere Entwicklung als in den anderen Staaten.

Auf den Arbeitsmarkt wirke sich die derzeitige wirtschaftliche Entwicklung negativ aus. Die Arbeitslosenquote sollte aber nächstes Jahr nicht über 5 Prozent steigen, so Doris Ritzberger-Grünwald, Volkswirtschafts-Direktorin.

Den öffentlichen Haushalt sehen die OeNB-Ökonomen auf gutem Weg. Sie erwarten geringere Defizite (ohne Zusatzkosten aus dem Bankenpaket) als das Finanzministerium, nämlich heuer 1,7 Prozent und 1,4 im kommenden Jahr. Die Staatsverschuldungsquote - diese sieht die OeNB höher als das Ministerium - wird sich von 74,4 Prozent heuer auf 74 Prozent und 72,8 Prozent in den kommenden Jahren verringern.