Wien. Der am Dienstag vorgestellte EU-Aktionsplan zur Unterstützung der europäischen Stahlindustrie sei "ein wichtiger Meilenstein in der politischen Debatte über die Sicherung der Zukunft von Europa", betont Wolfgang Eder, Präsident des europäischen Stahlverbandes Eurofer und Chef der Linzer Stahlschmiede Voestalpine. Das sei insbesondere für die Klimapolitik, die Energieversorgung, die Umstrukturierung und den Kampf gegen internationalen Protektionismus wichtig.

Eder warnte jedoch vor einer Subventionierung struktureller Überkapazitäten. "Um erfolgreich zu sein, müssen die Umstrukturierungsbemühungen jetzt angegangen werden und in den nächsten drei bis fünf Jahren Wirkung zeigen", fordert Eder.

Hintergrund: Stahlkonzerne wie die Voestalpine sind auf höherwertige Stahlprodukte spezialisiert, weil sie darin die Zukunft für eine konkurrenzfähige Stahlerzeugung sehen. Ihr High-Tech-Stahl findet in der Autobranche oder der Flugzeugindustrie genügend Abnehmer. Europäische Stahlriesen wie ArcelorMittal, die in ganz Europa Stahl gießen, produzieren hingegen noch massenweise einfachen Stahl, der zu wenige Abnehmer findet. Diese Überkapazitäten drücken Preise und Gewinne.

Zur Schlüsselfrage der Überkapazitäten stehe in dem EU-Bericht fast nichts, kritisierte auch der Stahlexperte Patrick Cleary von Wood Mackenzie.

Weichere Klimaziele?

Zum Thema Reduktion von Treibhausgasemissionen meint Eder, dabei sei zu berücksichtigen, dass in den nächsten 15 Jahren "keine bahnbrechenden neuen Technologien verfügbar sein werden". Vor diesem Hintergrund sei jede Initiative der Europäischen Union zur Reduzierung der Energiepreise nicht nur für den operativen Erfolg der Stahlindustrie, sondern auch für die langfristigen Ziele der EU-Klimapolitik von entscheidender Bedeutung.

Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP) betonte seine Unterstützung für den Aktionsplan. "Nur so können wir das Ziel einer Re-Industrialisierung erreichen", so Mitterlehner. Die Branche stehe aufgrund der steigenden Konkurrenz aus China und teils hohen Rohstoff- und Energiepreisen "in einem scharfen internationalen Wettbewerb und muss daher gezielt unterstützt werden".

Die Europäische Union ist nach wie vor der zweitgrößte Stahlerzeuger in der Welt. Die Produktion beträgt jährlich 177 Millionen Tonnen Stahl, das sind elf Prozent der weltweiten Erzeugung. Insgesamt sind mehr als 360.000 Personen in der europäischen Stahlindustrie beschäftigt. Seit Beginn der Krise hat die Nachfrage jedoch um 27 Prozent abgenommen und in den vergangenen Jahren sind 40.000 Arbeitsplätze in dem Sektor verloren gegangen.

Zur dominanten Region bei der Stahlproduktion ist in den vergangenen zehn Jahren China aufgestiegen. Die chinesische Stahlindustrie wird bald mehr als die Hälfte der weltweiten Produktion ausmachen.