Wien. Das Ungetüm aus Beton rührt sich schon seit vier Jahren nicht mehr. Es steht da, im Norden Valencias, und statt 70.000 Menschen allwöchentlich zu unterhalten, gemahnt es die Spanier, dass jeder Spaß einmal ein Ende hat. Das Ende kam, in diesem Fall, mittendrin im Traum des örtlichen Fußballklubs, eines der weltweit schönsten und größten Stadien zu besitzen. Auf einmal platzte die Immobilienblase, der FC Valencia konnte sein altes Stadion nicht verkaufen und hatte kein Geld mehr, das im Bau befindliche fertigzustellen. Jetzt hat der Verein zwei Ruinen, eine alte und eine neue. Und die Baufirma hat Abschreibungen zu tätigen. Es ist die FCC, die Muttergesellschaft der Alpine.

Landeck beim Arlberg mag gute 1500 Kilometer und gefühlte drei Welten entfernt liegen. Und doch wird nun auch Thomas Waltle Abschreibungen tätigen müssen. Waltle ist Geschäftsführer von Streng-Bau, einem Tiefbau-Betrieb, der genauso mit der Alpine zusammengearbeitet hat wie etwa 1300 andere Firmen auch. "Wir haben noch 8000 Euro an offenen Forderungen", sagt Waltle. Damit darf er sich noch glücklich schätzen. Oder auch weise.

"Wir hatten es schon sehr zurückgefahren, das Vertrauen war nicht mehr groß", erzählt er. Andere Unternehmen hatten vielleicht gar nicht die Möglichkeit dazu, vielleicht hofften sie auch auf Folgeaufträge. Gerade für viele kleine Betriebe könnte das Alpine-Desaster den Untergang bedeuten, wie Hermann Haneder, der Betriebsratschef der Alpine, befürchtet: "Wenn ein Tischler von 200.000 Euro nur 20 Prozent bekommt, kann er zusperren", sagt Haneder.

Spanien als Schlaraffenland

Die Glaserei aus dem Pongau, der Zementbetrieb aus dem Innviertel, das Kieswerk in Kärnten: Sie alle müssen nun um den Fortbestand kämpfen, zwar nicht nur, aber auch, weil in Valencia aus Nichts ein Fußballtempel werden sollte. Unter anderem.

Bis zum Jahr 2006 war Spanien das Schlaraffenland der Baubranche in Europa. Im Wohnungsbau (Neu- und Umbauten) wurde mit 920.199 Einheiten ein sagenhafter Rekord erreicht. Mittlerweile ist dies auf rund 50.000 Einheiten pro Jahr eingebrochen.

Kredite waren nicht nur für Private zu jener Zeit so günstig, dass sich die Frage der Finanzierung gar nicht stellte, auch die Bauindustrie wuchs vor allem fremdfinanziert. Warum auch nicht, schließlich wuchs auch der Umsatz der führenden internationalen Bauunternehmen, zu denen gleich elf spanische gehören, zwischen 2001 und 2008 um das Vierfache. Deutschland ist dagegen mit nur vier Betrieben in den Top-225 vertreten.