Wien. Obwohl die Österreicher mit jedem Jahr mehr mit ihrem Handy telefonieren, SMS schreiben und im Internet surfen, sinken die Erträge der Mobilfunkanbieter. Der Grund dafür liegt im erbitterten Preiskampf der drei Unternehmen A1, T-Mobile und "3", dank dem Österreich zu den Ländern mit den niedrigsten Handytarifen in Europa gehört. Auch vom zuletzt explodierenden Datenverkehr durch das Internetsurfen am Smartphone können die Mobilfunker nicht profitieren - denn in vielen Tarifen sind Datenpakete inkludiert, genauso wie Gesprächsminuten und SMS.

"Die Mobilfunkanbieter konnten die stark wachsende Nachfrage nicht in steigende Umsätze ummünzen. Langfristig müssen die Umsätze steigen - das hat man in unserer Branche verlernt", sagt Jan Trionow, Chef des kleinsten heimischen Anbieters "3". Während der Gesamtumsatz der Branche 2012 mit 4,5 Milliarden Euro nahezu gleich blieb, ist das Ergebnis vor Steuern und Abschreibungen um fast acht Prozent auf 1,32 Milliarden Euro zurückgegangen, gab das Forum Mobilkommunikation bekannt.

Welches Rezept haben Mobilfunker, um mehr Geld zu verdienen? Bei vielen neuen Tarifen hängen die Kosten von der Übertragungsgeschwindigkeit ab: Wer am Smartphone schneller im Internet surfen will, muss mehr zahlen. Die drei Mitbewerber lauern, wer als Erster die Preise deutlich nach oben schraubt. Telekom-Chef Hannes Ametsreiter hat zuletzt allerdings betont, dass A1 an den Subventionen für Handys festhält, um Kunden von der Konkurrenz abzuwerben. Im ersten Quartal ließen Stützungen für Mobiltelefone den Betriebsgewinn der Telekom (A1) in Österreich sinken. "Der Markt wird weiter hart bleiben", erwartet Trionow.

Schwierig umzusetzen sei der Plan der EU-Kommission, den Unterschied zwischen den Roaming-Tarifen und den nationalen Preisen beim Telefonieren im Ausland abzuschaffen: "Derzeit sind wir weit von einem einheitlichen Mobilfunkmarkt in Europa entfernt", so Trionow. Preisdifferenzen bis zum Siebenfachen zwischen Österreich und Deutschland seien derzeit Realität.

Zwar würden durch die geplante EU-Regelung für die Anbieter Roamingeinnahmen wegfallen, andererseits könnten heimische Mobilfunker ihre Preise erhöhen.

Weitere Kündigungen bei "3"

Die Mobilfunkmarke Orange verschwindet indes im Sommer - nach der Übernahme durch "3" zu Jahresbeginn - vom österreichischen Markt. Orange-Kunden gehen automatisch zu "3" über, bestehende Verträge und Tarife bleiben erhalten.

Von den insgesamt 140 Shops bleiben 90 bestehen. 97 Mitarbeiter, vor allem von Shops, wurden vergangene Woche beim AMS zur Kündigung angemeldet. Das Call Center in Wiener Neustadt wird mit Ende Jänner 2014 geschlossen, 70 Beschäftigte verlieren ihren Job. Vereinzelt könnte es auch in anderen Bereichen noch Kündigungen geben, so Trionow.

Durch die Übernahme sollen 500 Millionen Euro eingespart werden, vor allem bei Netzstandorten. Die Netze der beiden Anbieter werden bis heuer im Oktober zusammengeführt. Bis 2015 entsteht aus den 4000 Standorten von "3" und 4600 Standorten von Orange ein gemeinsames Netz aus 6000 Sendemasten, das den schnelleren Mobilfunkstandard 4G (LTE) unterstützt. Wann LTE flächendeckend verfügbar ist, hänge allerdings auch vom Ausgang der Frequenzversteigerung des Regulators im Herbst ab.