• vom 19.07.2013, 14:31 Uhr

Österreich

Update: 20.07.2013, 10:59 Uhr

ÖH

Eine ungemolkene Cashcow




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Von Bettina Figl

  • ÖH-Buchhandlung Facultas sitzt auf 8 Millionen Euro Rücklagen, aber Studierende haben kaum etwas davon
  • Aus einem kleinen Kopierladen wurde Österreichs viertgrößtes Verlagshaus.

Vom kleinen Copyshop zu Österreichs viertgrößtem Buchverlag: Facultas' Historie ist eine Erfolgsstory.
- © Luiza Puiu

Vom kleinen Copyshop zu Österreichs viertgrößtem Buchverlag: Facultas' Historie ist eine Erfolgsstory.
© Luiza Puiu



Wien. Acht Millionen Euro Rücklagen auf der hohen Kante, 400.000 Euro Gewinn machte Facultas im Vorjahr. Das meiste Geld wird mit dem Verkauf von Büchern gescheffelt, ihre Pflichtlektüre bekommen Studierende oft ausschließlich hier. Was viele von ihnen nicht wissen: Die Österreichische Hochschülerschaft (ÖH) ist Eigentümerin des inzwischen viertgrößten Buchhandelsverlags Österreichs. Zu 50 Prozent gehört Facultas der ÖH an der Wirtschaftsuniversität (WU) Wien, zu 50 Prozent der ÖH an der Uni Wien - und damit jener Körperschaft, die vor zwei Jahren das Café Rosa in der Währinger Straße gepachtet und mehr als 500.000 Euro in den Sand gesetzt hat.

Diesem Finanzdebakel folgte ein Sturm der Entrüstung - immerhin sind es ÖH-Beiträge, die hier verpufft sind. Facultas ist medial ein unbeschriebenes Blatt. Dabei lohnt sich ein Blick in die Bilanz des Verlags, für den man allerdings schwindelfrei sein sollte: 2011 kratzte der Gewinn an der 900.000-Euro-Marke, ein Jahr später machte Facultas inklusive Töchtergesellschaften 30 Millionen Euro Umsatz. Doch auch andernorts wirtschaftet die ÖH erfolgreich: Sie steht hinter den als Stiftung betriebenen 16 Studentenheimen "Home4Students".


Nummer 4 im Buchhandel

Tief in die Tasche greifen müssen Studierende, wenn sie Skripten und Bücher bei Facultas kaufen - einzig beim Kopieren sparen sie sich ein paar Euro.

Tief in die Tasche greifen müssen Studierende, wenn sie Skripten und Bücher bei Facultas kaufen - einzig beim Kopieren sparen sie sich ein paar Euro.© Luiza Puiu Tief in die Tasche greifen müssen Studierende, wenn sie Skripten und Bücher bei Facultas kaufen - einzig beim Kopieren sparen sie sich ein paar Euro.© Luiza Puiu

Doch zurück zu Facultas: Die Geschichte vom kleinen Kopierladen zur Nummer vier im österreichischen Buchhandel ist eine Erfolgsstory, wie sie im Buche steht: 1976 startete der Betrieb als Copyshop in der Berggasse, bis in die 1990er Jahre wurde er von Studierenden betrieben. Bei den Abrechnungen kam es zu Ungereimtheiten, frischgefangene ÖH-Vertreter waren damals wie heute von der Buchhaltung überfordert. Schließlich folgte man der Empfehlung des Gesetzgebers und gründete GmbHs: Der WUV Universitätsverlag und die Servicebetriebe der WU Wien waren geboren. Andernorts - an den Technischen Unis in Wien und Graz oder der Uni Innsbruck - blieb man bis heute bei dieser Unternehmensform, doch die Servicebetriebe der Uni Wien und der WU Wien fusionierten 2001 und wurden in eine Aktiengesellschaft (AG) umgewandelt. Seither lenkt Thomas Stauffer die Geschicke, er kaufte sukzessive Verlage und kleine Buchhandlungen auf, darunter sechs Dombuchhandlungen. Heute gibt es in ganz Österreich 20 Facultas-Filialen.

Die Strategie ging auf: Facultas ist nach Thalia, Libro und Morawa der viertgrößte Buchhändler Österreichs. Laut seinen Statuten ist Facultas zwar zur Gemeinnützigkeit verpflichtet - doch die Preise sind nicht unbedingt auf das studentische Börserl ausgerichtet. Im Gegenteil: Daran, dass manch Pflichtlektüre nur hier erhältlich ist, verdient Facultas sehr gut. Über die Jahre haben sich acht Millionen Euro Rücklagen angesammelt, und statt den Gewinn an die ÖH auszuschütten, ging die Einkaufstour im Buch- und Verlagssektor weiter, auch über Österreichs Grenzen hinweg (siehe Grafik). Acht Jahre nach der Gründung der AG wurde die Cashcow zum ersten Mal gemolken: Auf Bestreben der ÖH Uni Wien wurden 70.000 Euro Gewinn ausgeschüttet, seither gingen jedes Jahr jeweils 35.000 Euro an die ÖH Uni Wien und an die ÖH WU Wien.

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Dokument erstellt am 2013-07-19 14:35:06
Letzte Änderung am 2013-07-20 10:59:53


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