Wien. Geht es der Wirtschaft gut, geht es allen gut: Für die Arbeiterkammer (AK) und den Österreichische Gewerkschaftbund (ÖGB) entspricht der Wirtschaftsbund-Slogan nicht ganz der Realität.

300 Betriebsräte wurden für das aktuelle AK-Strukturwandelbarometer in Zusammenarbeit mit dem Institut für empirische Sozialforschung (IFES) nach aktuellen Problemen gefragt. Ihre statistisch gemittelte Antwort: Hoher Stresspegel, familienfeindliche Arbeitszeiten, Auslagerungen von Unternehmensteilen bestimmen die heutige Arbeitswelt.

Befragt wurden die Betriebsräte nach 30 verschiedenen Einzelaspekten - etwa Zeitdruck, Anteil von Leiharbeit, Outsourcing, Investitionen in Personal oder Einbindung des Betriebsrates. Strukturwandel findet laut dem wissenschaftlichen Projektleiter bei IFES, Georg Michenthaler, am stärksten in Unternehmen statt, die über mehr als 200 Beschäftigte verfügen, atypische Beschäftigungsverhältnisse aufweisen und ihre Entscheidungen von einer Konzernzentrale im Ausland "diktiert" bekommen.

Zwei Drittel der befragten Betriebsräte registrierten im vergangenen halben Jahr ein Ansteigen des Zeitdrucks sowie eine Erhöhung der Flexibilitätsanforderungen. Für fast die Hälfte der Befragten sind die steigenden Flexibilitätsanforderungen vorteilhaft für die Firma, aber zwei Drittel meinen, dass dieser Wandel für die Belegschaft nachteilig ist.

Laut Umfrage werden Teilzeitkräfte in fast in jedem der untersuchten Betriebe eingesetzt – bei mehr als einem Drittel machen diese mittlerweile sogar mehr als zehn Prozent der Beschäftigten aus. Fast jedes zweite Unternehmen beschäftigt Leiharbeitskräfte.

Arbeiterkammer und ÖGB haben anlässlich der Umfrage ihre Arbeitsmarkt-Forderungen erneuert: Überstunden sollen für Unternehmen in Form einer Arbeitgeberabgabe in Höhe von 1 Euro pro geleisteter Überstunde verteuert werden. Weiter sollen All-in-Arbeitsverträge eingeschränkt werden und der Zugang zur sechsten Urlaubswoche erleichtert werden.

Um die Qualität der Arbeitsbedingungen zu steigern, soll Teilzeitbeschäftigten der Wechsel in Vollzeit erleichtert werden. Auch sollen ältere Beschäftigte besser vor Kündigungen geschützt werden. Die Arbeitnehmervertreter wollen den Anteil der Leiharbeitnehmer auf maximal 10 Prozent der Belegschaft beschränken. "Nach einer gewissen Überlassungsdauer soll ein Anspruch auf Übernahme in die Stammbelegschaft zustehen", so die Forderung von ÖGB und AK.