Das EM-Stadion in Klagenfurt sollte Kärnten eine goldene Zukunft bescheren. Stattdessen: Scherereien um den Hypo-Deal. - © apa/Gindl
Das EM-Stadion in Klagenfurt sollte Kärnten eine goldene Zukunft bescheren. Stattdessen: Scherereien um den Hypo-Deal. - © apa/Gindl

Wien. (sir) Das schicke Fußballstadion in Klagenfurt ist erstens Ergebnis, zweitens Mahnmal für den heute als "Hypo-Skandal" in der Öffentlichkeit benannten Deal zwischen der Bayerischen Landesbank und Jörg Haider, dem ehemaligen Landeshauptmann Kärntens. 2007 verkaufte Haider die damals im Landesbesitz befindliche Bank, die als Hausbank auch die gönnerhafte Politik Haiders mittrug beziehungsweise mittragen musste, um 1,625 Milliarden Euro an die Bayern.

Dieses Stadion machte Kärnten zum Teil der Fußballeuropameisterschaft 2008, die es ohne Haiders Alleingang gar nicht in Österreich gegeben hätte. Im wohlmeinendsten Fall manifestierte sich in diesem silbrig-glänzenden Stadion die Hoffnung Kärntens, durch die EM eine der Urlaubsdestination in Europa zu werden.

Großer Druck auf Vorstand


Hochtrabende Ziele hatte jedoch nicht nur Haider, auch die BayernLB sah in Kärnten - genauer: in der Hypo Alpe Adria - eine große Hoffnung auf Wachstum und goldene Zeiten. Relativ spät, eher zaghaft und jedenfalls unerfolgreich hatten die Bayern zuvor versucht, zu expandieren, vor allem im vermeintlichen Eldorado Osteuropa. Der Druck der bayerischen Landespolitik unter Ministerpräsident Edmund Stoiber auf die Banker nahm immer weiter zu, einen ersten Gedanken an die Kärntner Hypo als Vehikel für den Balkanraum gab es bereits im Sommer 2006.

Wie der Untersuchungsausschuss des bayerischen Landtags feststellte, gab es damals bei einer bankeninternen Präsentation jedoch "kritische Bemerkungen" zur Hypo, das Interesse der BayernLB richtete sich daraufhin in Richtung Bawag, doch aus diesem Deal wurde nichts, weshalb wieder die Hypo Alpe Adria ins Spiel kam. Wohin in diesem Zeitraum die Skepsis verschwand, war dann auch Teil der Ermittlungen.

Der Gutachter Fritz Kleiner kam zum Schluss, dass die BayernLB die Hypo kaufen wollte, und zwar "kostete es, was es wollte". Kleiner war zwar von der Hypo beauftragt worden, doch auch das Protokoll des U-Ausschusses liest sich ähnlich: "In Enttäuschung oder Wut darüber [über den gescheiterten Bawag-Kauf, Anm.] machte im Verwaltungsrat vor allem Faltlhauser, der verlängerte Arm von Ministerpräsident Stoiber in die BayernLB hinein, großen Druck auf den Vorstand."

Der Verdacht war jedenfalls gegeben, dass dieser Druck bedingte, dass die Risiken quasi absichtlich übersehen wurden, dass eventuell auch Zahlen von den Vorständen unrichtig oder unvollständig dem mit führenden CSU-Politikern besetzten Aufsichtsrat weitergegeben wurden. In diese Richtung gingen auch die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft, die aber vom Landgericht München nur teilweise zur Anklage zugelassen wurden. Denn das Landgericht weist den Hauptvorwurf gegen die Bankmanager zurück, eine halbe Milliarde zuviel gezahlt und ergo Vermögen der BayernLB veruntreut zu haben.

Das Gericht widerspricht der Staatsanwaltschaft auch in zwei weiteren Punkten: Ein "Kauf um jeden Preis" samt Fehlbeurteilung des Risikos liege nach Ansicht des Gerichts nicht vor, zudem kritisierte das Landgericht, dass die Staatsanwaltschaft nicht auch gegen den (mit Politikern besetzten) Verwaltungsrat ermittelt hatte.

Den insinuierten Verdacht, dass die CSU-Granden geschützt werden sollten, dementierte die Staatsanwaltschaft heftig und bekräftigte, dass der Vorstand ihrer Ansicht nach den Verwaltungsrat "arglistig getäuscht" habe.

Sponsoring als Bestechung?


Von den verschiedenen Anklagepunkten bleiben vorerst nur zwei übrig: Bei einem späteren Ankauf von Hypo-Anteilen sei um 75 Millionen Euro zu viel gezahlt worden, und außerdem sei Haider bestochen worden.

Haiders Problem damals: Nach der EM hätte ja auch irgendwer im neuen Stadion spielen sollen, deshalb wurde der Bundesligaklub Pasching nach Klagenfurt transferiert. Viel deutet darauf hin, dass indirekt die BayernLB durch das Namenssponsoring für das Stadion dafür bezahlte.

Wenige Monate später verunglückte Haider, die Finanzkrise brach aus. Die BayernLB begrub ihre Osteuropa-Ambitionen und beinahe auch die Hypo, ehe die Republik Ende 2009 die überschuldete Bank verstaatlichte. Der Fußballklub war sechs Monate darauf insolvent, der Nachfolgeverein spielt nun in der Regionalliga. Über die Bayerische Landesbank lässt sich Ähnliches sagen. Und Kärntens Tourismushoffnungen? Seit der EM 2008 ist die Anzahl der Nächtigungen rückläufig.