Wien. (sf) "Keine Chance", "Das wird nie was", "Unmöglich": Plakate mit diesen Aussagen haben in den vergangenen Wochen für Aufsehen gesorgt - vor allem deswegen, weil sie oft neben Wahlwerbung hingen. Am Montag lüftete der Auftraggeber seine Identität: Hinter der Kampagne steckt - wie vermutet - der Mobilfunker "3". "Die Kombination der Plakate neben politischen Parteien oder Mitbewerbern war aber reiner Zufall", versichert eine Sprecherin.

Mit dem bunteren Markenauftritt von "3" gibt es nach der Übernahme von Orange Anfang Jänner nun auch optisch nur noch drei statt vier Mobilfunker in Österreich. Die Marke Orange verschwindet. Für Orange-Kunden dienen die 90 umgestalteten "3"-Shops und die "3"-Hotline als Anlaufstelle. Wie viel das "Monsterprojekt" gekostet hat, wollte "3"-Chef Jan Trionow nicht beziffern. Zum Vergleich: Für die Umwandlung von One zu Orange vor sechs Jahren hat die France Telekom 20 Millionen Euro gezahlt.

"Bleiben in Angreiferrolle"


Bestehende Orange- und "3"-Kunden behalten ihre Handynummer samt Vorwahl und Tarif, ebenso bleibt die Vertragsdauer unverändert. Mit neuen Tarifen ab 7,50 Euro monatlich (exklusive Servicepauschale) und einem Geldbonus für neue Vertragskunden heizt "3" den Preiskampf am heimischen Mobilfunkmarkt weiter an. Vor der Übernahme hatten Kartellwächter befürchtet, dass die Tarife durch mangelnden Wettbewerb steigen könnten.

"Wir bleiben in der Angreiferrolle", sagt Trionow. 3,3 Millionen österreichische Kunden hat der Mobilfunker, der zum Hongkonger Konzern Hutchison Whampoa gehört. Der Marktanteil soll von derzeit 25 Prozent auf 30 Prozent steigen, gab Trionow das Ziel vor. A1 hält bei 44 Prozent Marktanteil, T-Mobile bei 31 Prozent.

Der Preiskampf drückt auf die Erträge, der Trend geht zu unlimitierten Gesprächsminuten und Datenvolumen - in einem Markt, "wo die Umsätze weiter sinken und sich das Datenvolumen jedes Jahr verdoppelt", sagt Trionow. Im EU-Vergleich liegt Österreich mit 7,9 Cent pro Minute unter dem EU-Durchschnitt von 9,2 Cent.

Neue Gebühren im Ausland


EU-Digitalkommissarin Neelie Kroes will einen Telekom-Binnenmarkt schaffen und die Roaminggebühren abschaffen. Im Gegensatz dazu hat "3" neue Gebühren fürs Telefonieren im Ausland eingeführt. Bisher konnten österreichische "3"-Kunden über "3 like home" in EU-Ländern, wo "3" vertreten ist, zum gleichen Tarif wie im Heimatland telefonieren und surfen. In Großbritannien, Dänemark, Schweden, Irland und Italien fielen dadurch keine Roaminggebühren an. In den neuen Tarifen scheint dieses Angebot nicht mehr auf, wie am Montag auf Twitter kritisiert wurde. "3"-Bestandskunden können allerdings weiter "3 like home" nutzen. Bisherige Orange- und neue Kunden müssen dagegen ein Zusatzpaket kaufen, wenn sie keine Roaminggebühren in europäischen "3"-Netzen zahlen wollen.

Nicht nur die Tarife wurden verändert, in den kommenden Monaten wird auch das Netz zusammengelegt. Mit 6000 Sendemasten werde "3" über 50 Prozent mehr Stationen verfügen als zuvor einer der beiden Anbieter alleine. Bis Ende 2014 will "3" landesweit den schnelleren LTE-Übertragungsstandard anbieten.

Durch die Zusammenlegung von Shops und Callcenter fallen 160 Arbeitsplätze weg. Auch in der Verwaltung wurden Stellen gestrichen, sodass "3" laut Trionow nun 1200 bis 1300 Mitarbeiter beschäftigt. In puncto Personalabbau seien heuer "keine großen Schritte mehr geplant".