Jung und geschäftstüchtig: Der Unternehmernachwuchs sprüht vor guten Ideen. - © Foto: corbis
Jung und geschäftstüchtig: Der Unternehmernachwuchs sprüht vor guten Ideen. - © Foto: corbis

Wien. Mit Malkursen für Senioren fing es an. "Da habe ich Blut geleckt", sagt die 31-jährige Wiener Unternehmerin Sofie Quidenus rückblickend auf ein Schulprojekt, an dem sie als Teenager teilnahm. Etwas selbständig auf die Beine zu stellen gefiel ihr, und so organisierte sie auch noch mit Begeisterung Schulbälle. Als 21-jährige Studentin ging sie unter die Firmengründer, indem sie einen automatischen Notenblattwender, den der Elektrotechniker Alfred Jakes erfunden hatte, vermarktete. Weitere Produktideen entstanden, und mittlerweile beschäftigt die Qidenus Technologies GmbH 18 Mitarbeiter, die jährlich mehr als zwei Millionen Euro Umsatz erwirtschaften.

Doch zurück in die Zeit, in der Quidenus auf den Geschmack kam. Das Schulprojekt stand unter der Ägide von Junior Enterprise Austria, einer Non-Profit-Organisation im Netzwerk der Volkswirtschaftlichen Gesellschaften Österreichs. Unter dem Motto "Wir bringen die reale Wirtschaftswelt in den Unterricht!" geht das Junior-Team in die Schulen. Im Rahmen des Projekts entwickeln die Jugendlichen im Laufe eines Schuljahrs eine Geschäftsidee und bieten reale Produkte und reale Dienstleistungen gegen Geld an. "Das sind keine virtuellen Firmen", betont die Junior-Betreuerin für Wien und Niederösterreich, Erna Hancvencl. "Die Schülerinnen und Schüler übernehmen alle Funktionen, die es in einem Unternehmen gibt. Einer ist Geschäftsführer, ein anderer Marketingleiter." Die Junior Companies produzieren und vermarkten Produkte aller Art, bedrucken T-Shirts, organisieren Events, Nachhilfestunden oder Computerkurse - um nur einige der Aktivitäten der vergangenen Jahre zu nennen.

Ein Tipp für alle, die mehr über das Junior-Programm erfahren wollen: Am diesjährigen Jungunternehmertag, der am 22. Oktober im Messe Wien Congress Center stattfindet, wird Regina Schraick von der Volkswirtschaftlichen Gesellschaft Wien das Bildungspraxisprogramm vorstellen. Erfolgreiche Alumni werden authentisch über ihre Projekte berichten.

Auch Sofie Quidenus ist gern gesehener Gast bei Diskussionen und Vortragsveranstaltungen, wo sie über Unternehmensgründung und Unternehmertum und ihren Lebensweg spricht. Eine besonders wichtige Erfahrung, die sie gerne weitergeben möchte: "Eines der schönsten Dinge an der Selbständigkeit ist: Man kann sich aussuchen, mit welchen Menschen man zusammenarbeitet."

"Learning business by doing business"

Das Programm "Junior" geht auf den US-Industriellen Horace Augustus Moses (1863-1947) zurück. Er gründete 1919 "Junior Achievement" (JA). Moses’ Ziel war eine Neugestaltung und Verbesserung der Wirtschaftsbildung in amerikanischen Schulen. Sein Leitspruch lautete: "Learning business by doing business".

Die Idee verbreitete sich auf der ganzen Welt: 1990 wurde "Junior Achievement International" (JAI) als weltweiter Dachverband gegründet. Damals gab es bereits in 15 Ländern Junior Companies.

Im Jahr 2002 kam es zur Fusion von Young Enterprise Europe und Junior Achievement International. Dies war ein wichtiger Schritt zum Auf- und Ausbau eines weltweit umspannenden Netzwerkes. 2004 wurde der Dachverband in "Junior Achievement Worldwide" umbenannt.

Heute zählen bereits 100 Staaten zu den Mitgliedern von JA Worldwide. Die Non-Profit Organisation erreicht mit ihren Programmen weltweit mehr als Millionen Schüler und Studenten, die durch die Teilnahme an den Junior Achievement Programmen alle Facetten des Unternehmertums kennenlernen. Junior Österreich ist ein Verein, ordentliche Mitglieder sind die Volkswirtschaftlichen Gesellschaften der einzelnen Bundesländer, die Junge Wirtschaft und die Junge Industrie.www.junior.cc