Wien. (kats) Wut und Enttäuschung standen ihm ins Gesicht geschrieben. Als der Linzer Bürgermeister Franz Dobusch (SPÖ) Ende August am Wiener Handelsgericht zehn Stunden lang befragt wurde, ließ er seinen Emotionen freien Lauf, als es um "den Ewald" ging. Der einst gute Freund - aus der oberösterreichischen SPÖ kommend und genau in jener Zeit Bawag-Generaldirektor, als die Stadt Linz mit der Bank das schicksalhafte Swap-Geschäft abschloss - habe ihm nicht geholfen, als er ihn 2010 anrief, um die Stadt aus dem "grauslichen" Geschäft zu befreien.

So weit Dobuschs Darstellung. Richter Andreas Pablik wollte auch die andere Seite hören und lud deshalb am dritten Verhandlungstag im Prozess um das millionenschwere Zinstauschgeschäft Nowotny, mittlerweile in seiner zweiten Amtsperiode als Gouverneur der Nationalbank, in den Zeugenstand. Dieser betonte, dass die Bawag die Swaps nur mit großen Gemeinden durchgeführt hätte, weil es dort eine "professionelle Finanzverwaltung" gebe.

Die Frage nach der Professionalität der Stadt Linz wird als entscheidend erachtet und ist somit eine der Hauptstreitfragen im Prozess. Wenn die Stadt nämlich als professioneller Kunde der Bawag galt, dann hatte die Bank gegenüber Linz weitaus weniger Aufklärungspflichten über die Risiken des Swaps "4175". Während Dobusch bemüht war, den Dilettantismus seiner Finanzabteilung unter Beweis zu stellen, hatte Bawag-Boss Byron Haynes in seiner Zeugenaussage freilich betont, dass die Stadt sehr wohl als Profi wahrgenommen wurde.

Ins selbe Horn stieß nun Nowotny. Offenbar gab es in den Bundesländern unterschiedliche Standpunkte zu Swap-Geschäften: In Kärnten waren sie verboten, auch in der Steiermark war man eher reserviert, wie aus einem internen Bawag-Dokument hervorgeht, mit dem Pablik Nowotny konfrontierte.

Und weiter: Voraussetzungen für den Abschluss von Derivategeschäften seien "jedenfalls Gemeinderats- beziehungsweise Stadtsenatsbeschluss (Grundsatzbeschluss des Gremiums)", heißt es in dem Papier. Das ist insofern spannend, als es zu diesem konkreten Geschäft keinen Gemeinderatsbeschluss gibt, weswegen die Stadt Linz darauf beharrt, dass es nie rechtskräftig geworden sei.

Nowotny betonte auch, der Abschluss des Swaps an sich sei ein "plausibler Akt" gewesen, um die Schuldenlast der Stadt zu reduzieren. "Hätte es irgendeinen Anlass, irgendein Problem gegeben, hätte ich sicher alles getan, um dieses Produkt zu verhindern." Das Problem sei erst nach seiner Amtszeit aufgetreten: Die Stadt habe nicht auf den stark veränderten Frankenkurs reagiert. Zu Dobuschs Vorwurf, er habe ihn hängen gelassen, sagte Nowotny: "Ich war ein bisschen beeindruckt, dass er von mir erwartet hat, dass ich vermittle. Ich musste ihm sagen, dass ich das nicht kann."

Linz war nach den gescheiterten Gesprächen im Oktober 2011 aus dem Swap ausgestiegen und hatte die Bawag auf Rückzahlung der bisherigen Zahlungen von 24,7 Millionen Euro geklagt. Die Bawag antwortete mit einer Widerklage und verlangte als Schadenersatz für die nicht geleisteten Zahlungen 417,7 Millionen plus Zinsen - mittlerweile eine halbe Milliarde Euro. Ein Mediationsverfahren ging bereits schief. Richter Pablik macht keinen Hehl daraus, dass er keine Freude an dem Verfahren hat.

Nach dem letzten Prozesstermin im August sah es aus, als würden sich die Streitparteien wieder annähern und doch auf einen Vergleich zusteuern. Doch weit gefehlt: Man habe zwar den versprochenen Sondierungsversuch unternommen, die Ansichten würden aber "gravierend auseinandergehen", so Linz-Anwalt Gerhard Rothner. Es sei "sehr, sehr schwierig zusammenkommen". Einer der Bawag-Anwälte, Gabriel Lansky, verwies auf die Vertraulichkeit der Gespräche und wollte Rothners Worten nichts hinzufügen. Nowotny verließ das Gericht nach drei Stunden. Er hoffte auf einen Vergleich: "Dafür gibt es gute Gründe."