Wien. (kle) Geht es nach den Gewerkschaftern, sollen die Löhne und Gehälter in allen Metall-Branchen um 100 Euro beziehungsweise mindestens 3,4 Prozent angehoben werden. Auf diese Forderung einigten sich die Arbeitnehmervertreter am Montag bei einer Betriebsrätekonferenz in Vösendorf. Damit liegt die Latte bei den laufenden Kollektivvertragsverhandlungen einigermaßen hoch.

Die Arbeitnehmer gehen bei ihrer Forderung von der Inflationsrate der vergangenen zwölf Monate aus, die im Durchschnitt 2,4 Prozent betrug. Im Gegensatz dazu wollen sich die Arbeitgeber an der Inflationsrate vom August - 1,8 Prozent - orientieren. Sie verweisen auch auf eine rückläufige Teuerung. Noch vor Bekanntgabe der Gewerkschaftsforderung hatte der Fachverband der Maschinen- und Metallwaren-Industrie (FMMI) als größter der sechs Branchenverbände betont, 2013 sei "kein Jahr für Machtdemonstrationen". Im ersten Halbjahr seien in seiner Branche um vier Prozent weniger Aufträge eingegangen als im Vorjahreszeitraum, auch die Gewinne seien im Sinken.

1636 Euro Mindestgehalt

Dennoch halten die Chefverhandler der Arbeitnehmer, Karl Proyer von der GPA-djp und Rainer Wimmer von der Pro-Ge, die Forderung nach mindestens 3,4 Prozent mehr Geld für gerechtfertigt und nicht überzogen. Und bei der Anhebung um 100 Euro gehe es schließlich darum, den Niedrigverdienern der Gesamtbranche die Kaufkraft zu sichern, sagte Proyer vor Journalisten. Derzeit liegt das Mindestgehalt bei 1636 Euro - 100 Euro mehr würden eine rund sechsprozentige Erhöhung bedeuten.

"Manager und Aktionäre haben sich bereits bedient", untermauerte Wimmer die Forderung. FMMI-Obmann Christian Knill wies das postwendend als "Mär" zurück.

Informationsoffensive

Unterdessen sind die Arbeitnehmervertreter nach wie vor strikt gegen die von den Arbeitgebern geforderte Ausweitung der Normalarbeitszeit. "Der Zwölfstundentag würde den Wegfall von Überstundenzuschlägen bedeuten", so Wimmer. 3000 bis 5000 Euro im Jahr würden für die Arbeitnehmer dadurch wegfallen.

Neben der Lohn- und Gehaltserhöhung geht es den Arbeitnehmervertretern auch um Verbesserungen bei der Anrechnung von Karenzzeiten. Ebenfalls ein Anliegen: Bei besonders belastenden Arbeitszeitformen - konkret bei Schicht- beziehungsweise Nachtarbeit - soll die Arbeitszeit verkürzt werden.

Wie geht es nun weiter? Nach der gestrigen Betriebsrätekonferenz in Vösendorf beginnt eine Informationsoffensive in den Unternehmen mit Betriebsversammlungen und Gesprächen der Betriebsräte mit den jeweiligen Geschäftsführungen. Die dritte Verhandlungsrunde mit dem FMMI findet dann am 15. Oktober statt. So wie bereits im Vorjahr verhandeln die sechs Fachverbände auch heuer wieder getrennt (beginnend mit dem FMMI). Sollte es am 15. Oktober zu keiner Einigung kommen, will man auf Gewerkschaftsseite das weitere Vorgehen festlegen. Kampfmaßnahmen sind dabei nicht ausgeschlossen.