• vom 23.10.2013, 13:46 Uhr

Österreich

Update: 23.10.2013, 13:51 Uhr

"Glaube spielt eine große Rolle"

Wirtschaftsnobelpreisträger Arrow: "Es gibt keine vollkommenen Märkte"




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  • 93-jähriger US-Ökonom in Wien: Konzept des Arbeitmarktes "sehr sonderbar"

Wien. "Der Glaube spielt eine große Rolle. Wo es Glauben gibt, sind einige Dinge möglich", sagte Wirtschaftsnobelpreisträger Kenneth J. Arrow bei seinem Vortrag in der Nationalbank in Wien. Glauben sei im Wirtschaftsleben deshalb wichtig, weil es keine vollkommenen Märkte gebe, ganz im Gegenteil, es gebe nicht nur sehr viele Märkte, sondern die Märkte seien auch unsicher und dauernden Veränderungsprozessen unterworfen, so der 93-jährige US-amerikanische Ökonom, der auf Einladung des Wirtschaftsforschungsinstituts (Wifo) nach Wien gekommen war.


"Arrow ist einer der einflussreichsten Ökonomen unserer Zeit", betonte Nationalbank-Gouverneur Ewald Nowotny in seiner Begrüßungsrede. Die Bandbreite seiner Arbeit sei groß und vor allem seine Arbeiten über asymmetrische Informationen für "uns als Zentralbanker sehr bedeutend."

Eine ökonomische Agenda für das 21. Jahrhundert

Bereits 2003 stellte Arrow in einer Konferenz, die Wifo-Chef Karl Aiginger im Rahmen seiner Professur an der Stanford University organisierte, eine ökonomische Agenda für das 21. Jahrhundert auf. Dabei formulierte er mehrere Prioritäten für eine zukunftsorientierte Wirtschaftspolitik, wie die Verringerung der Einkommensunterschiede durch das Steuersystem, Konjunkturbelebung durch Geld- und Fiskalpolitik, Stabilisierung des Finanzsystems durch Regulierung und Verringerung von Manipulationen das Bankensystems und Maßnahmen gegen den Klimawandel.

"Unglücklicherweise kann ich keinen Punkt von dieser Agenda nehmen", meinte der Nobelpreisträger. Viele dieser Probleme hätten sich in den letzten zehn Jahren verschlechtert, und im Finanzsektor gebe es enormen Widerstand gegen Veränderungen.

Ein schwieriger Übergang
"Wäre die Politik seiner Agenda gefolgt, könnten wir heute in einer besseren Welt leben", betonte Wifo-Chef Aiginger. Der Übergang sei ein sehr schwieriger, die Probleme könnten nur in einer langfristigen Strategie gelöst werden. Allerdings sei die Wahrscheinlichkeit groß, dass es zu politischen Rückschlägen kommt.

Aiginger warf auch die Frage auf, warum die Menschen dauernd gegen ihre eigenen finanziellen Interessen abstimmen und warum Regierungen immer daran scheitern, ihre eigenen Ziele zu erreichen, speziell soziale und ökologische. Und das obwohl sie in Europa zu 50 Prozent und in den USA zu 40 Prozent an den Wirtschaftsaktivitäten beteiligt seien. Reichtum von Personen alleine sei nicht das Problem, sondern eher die Frage, "kann ich damit politische Macht kaufen", meinte Arrow in diesem Zusammenhang.

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Dokument erstellt am 2013-10-23 13:48:54
Letzte Änderung am 2013-10-23 13:51:40


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