Arrow war 1972 mit damals 50 Jahren der bisher jüngste Nobelpreisträger für Ökonomie. Er ist Autor unzähliger bahnbrechender Beiträge zur Allgemeinen Gleichgewichtstheorie und zur Theorie kollektiver Entscheidungen. Seinen Wiener Vortrag widmete er dem Thema "Knowledge, Belief and the Economic System" ("Wissen, Glauben und das Wirtschaftssystem").

Prognosen über die weitere wirtschaftliche Entwicklung seien wichtig, weil davon Investitionen abhängen, betonte Arrow. Eine Schwierigkeit stelle dabei die "Zirkularität" der Vorhersagen dar. Darunter versteht Arrow Voraussagen, die sich wiederum auf andere Voraussagen, und diese wieder auf weitere Voraussagen usw. beziehen. Schon ein anderer US-Ökonom, John Maynard Keynes, habe festgehalten, dass Investitionen auf gegenseitigen Erwartungen aufgebaut seien. Dieses Modell sei aber noch von niemanden ausgearbeitet worden, "auch von mir nicht", so Arrow.

Neben "Glauben" auch Informationen wichtig

Im Zusammenhang mit dem für ein funktionierendes Wirtschaftsleben notwendigen "Glauben" seien auch Informationen von Bedeutung, führte der 93-jährige Wirtschaftsnobelpreisträger Kenneth J. Arrow bei seinem Vortrag in der Nationalbank in Wien aus. Informationen könnten kostspielig sein, es könne sich aber trotzdem bezahlt machen, sie zu erhalten. Für vermögende Investoren etwa zahlten sich Informationen aufgrund von Skaleneffekten mehr aus als für weniger Vermögende. Informationen werden aber nicht nur zur finanziellen Motivation benötigt, sondern auch für soziale Kontakte.

Märkte werden unter anderem durch die Bevölkerungsentwicklung oder auch Naturkatastrophen beeinflusst. Auch Innovationen spielten hier eine Rolle. Zentral sei dabei auch, dass es keine Märkte für zukünftige Produkte gebe. Man könne etwa Stahl nicht fünf Jahre im Voraus handeln. Eine Ausnahme stelle dabei bis zu einem bestimmte Ausmaß der Agrarbereich dar. Sehr "sonderbar" ist laut Arrow das Konzept des "Arbeitsmarktes". Hier würden sich Leute zwar im selben Markt befinden, hätten aber ganz unterschiedliche Informationen und Fähigkeiten.

Wertpapiermärkte wie Börsen seien derzeit die besten Prognose-Märkte. Die New Yorker Börse - abgebildet im Dow Jones-Index - etwa sei ein eher stabiler Markt. "Wenn Nachrichten den Glauben an einem Tag um einen Prozent verändern, ist das schon viel", meinte Arrow.

Der Zusammenhang von Glauben und Informationen habe auch Implikationen für die derzeitige Funktion der Finanzmärkte. So sei etwa die Doktrin "too big to fail" nicht nur eine Frage der Größe. Die Akzeptanz dieser Doktrin werfe zusätzliche das Problem des "moral hazard" auf - weil sich die betroffenen Institute ja auf ihre Rettung verlassen können.