Wien. Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte. In Rechtsfällen gilt das vor allem für Anwälte, zunehmend aber auch für PR-Experten. Für die hat sich nämlich gerade in den vergangenen Jahren ein neues Geschäftsfeld geöffnet - Litigation-PR.

Dieser Begriff stammt aus den USA und steht für gezielte Öffentlichkeitsarbeit bei rechtlichen Auseinandersetzungen. Damit soll die Reputation des jeweiligen Klienten, beispielsweise eines Konzerns oder einer Person, geschützt, bewahrt oder wieder aufgebaut werden. Denn selbst wenn ein Kläger oder ein Beklagter einen medienwirksamen Prozess vor Gericht gewinnt, kann er ihn im "Gerichtssaal der Öffentlichkeit" verlieren.

Kreis der Anbieter noch klein

"In Sachen Litigation-PR haben wir in Österreich inzwischen eine professionelle Szene", sagt Alfred Autischer zur "Wiener Zeitung". Seine Beraterfirma Gaisberg Consulting gehört hierzulande neben Ecker & Partner, Scholdan & Company und Schneider Minar Jenewein Consulting zu jenen Agenturen, die sich auf Öffentlichkeitsarbeit rund um Rechtsverfahren aller Art spezialisiert haben. Zwar ist der Kreis der Anbieter vorerst noch klein. Doch dabei dürfte es nicht bleiben. Zumal die Nachfrage nach Litigation-PR seit Jahren steigt - nicht zuletzt wegen der Anwaltskanzleien, die ein Mandat in einer öffentlich brisanten Causa mittlerweile mehr denn je erst dann annehmen, wenn auch ein Kommunikationsprofi hinzugezogen wird, wie Gaisberg-Chef Autischer erklärt.

Vor allem Wirtschaftskrimis wie Meinl, Buwog, Immofinanz, Telekom und Hypo waren es, die Litigation-PR in Österreich ins Blickfeld gerückt haben. Derlei strafrechtliche Verfahren, wo Korruptions-, Betrugs- und Untreuevorwürfe im Raum stehen, sind aber nur zu einem kleinen Teil der Bereich, in dem spezialisierte Agenturen tätig sind. "Litigation-PR ist eigentlich im Zivilrecht zuhause", sagt Autischer. Als klassische Beispiele nennt er Schadenersatzprozesse (etwa rund um Anlegeraffären), Kartell- und Markenschutzverfahren, aber auch Ärztefehler.

Die Namen der zumeist prominenten Kunden unterliegen dem Berufsgeheimnis. Agiert wird diskret und im Hintergrund. Unter Journalisten ist es jedoch ein offenes Geheimnis, dass beispielsweise die besonders im öffentlichen Fokus stehende Krisenbank Hypo Alpe Adria Gaisberg als Litigation-PR-Berater an Bord hat.

Auf Biegen und Brechen

Die Hypo - respektive die Ende 2009 zu ihrem Eigentümer gewordene Republik Österreich - liegt mit der Bayerischen Landesbank, ihrer früheren Mutter, seit Jahren im Clinch. Eine Vielzahl komplexer Verfahren wird ausgetragen, die sich vor allem darum drehen, wer die sündteuren Altlasten der Kärntner Bank schultern muss.

Im Mittelpunkt steht ein Streit um die Rückzahlung von 2,3 Milliarden Euro an die Bayern. Die argumentieren, dass es sich bei diesen Geldern um einen einst geflossenen Kredit handle. Die Hypo stellt das nicht in Abrede, ist jedoch unter Berufung auf österreichisches Recht der Ansicht, dass den Kredit bis auf Weiteres nicht tilgen muss. Denn der sei schon während ihrer existenzbedrohenden Krise geflossen und damit so lange als Eigenkapital zu werten, bis die Krise vorbei ist. Daher will die Hypo auch jene 1,7 Milliarden Euro zurückhaben, die sie bis vor einem Jahr von dem ursprünglichen Vier-Milliarden-Kredit bereits zurückgezahlt hat.

Außergerichtlicher Vergleich

Am 25. November kommt es zu einem ersten Showdown: Da hat das Landgericht München die beiden "Streithähne" zu einer mündlichen Verhandlung geladen. Um in Deutschland ihren Rechtsstandpunkt in der Öffentlichkeit verständlich zu machen, hat die Hypo schon im Vorfeld auf Litigation-PR gesetzt. Die BayernLB wiederum hat sich in Wien dem Vernehmen nach Scholdan & Company geangelt, um ihre Position in Österreich zu kommunizieren.

Häufig geht es bei Litigation-PR auch um einen außergerichtlichen Vergleich. Etwa beim Streit zwischen Linz und Bawag um ein für die Stadt verlustreiches Spekulationsgeschäft. Beide Parteien setzen auf Litigation-PR-Profis.